Serie

Get me a Doctor, please.

Um meinem aktuellen Bedürfnis nach ausgefeilten Dialogen mit britischem Akzent gerecht zu werden, habe ich angefangen, Doctor Who zu gucken. Nach einigem Zögern, muss ich dazu sagen, weil mich trashige Soundeffekte, Raumschiffe, Aliens und Roboter, in denen offensichtlich bemitleidenswerte Schauspieler stecken, eigentlich eher abschrecken. Eigentlich.

Entgegen aller Erwartungen verbringe ich inzwischen jeden Tag mit Freuden 45 Minuten mit einer bunten, trashigen Serie voller Monster. Für alle, die mit der Materie nicht vertraut sind: Held der Geschichte ist der Doctor, ein Time Lord in menschlicher Gestalt, der letzte seiner Art. Dieser reist in der TARDIS, die sehr viel mehr ist als nur die blaue Polizeibox, als die sie erscheint, durch Zeit und Raum. Wo auch immer er ankommt – sei es auf fernen Planeten in der Zukunft, im London der 50er Jahre oder in parallelen Welten – wartet meistens eine Horde a) hungriger Aliens, b) gefühlskalter Roboter oder c) wahnsinniger Wissenschaftler nur darauf, von ihm vernichtet zu werden. Was ihm natürlich gelingt, schließlich ist er der Doctor. Meistens steht im dabei ein treuer Companion zur Seite. Im Moment ist es die patente Rose Tyler – mit der Zeit hat der Doctor in seinen unterschiedlichen optischen Gestalten aber wohl so einige weibliche Sidekicks verschlissen, die auch in der aktuellen Serie gelegentlich wieder auftauchen und Verwirrung stiften.

Für Leute, die wie ich ohne jegliche Vorkenntnisse in die Serie einsteigen, ist das ein ganz schöner Brocken an Information. Vor allem Angesichts der Tatsache, dass die aktuelle Serie eine Art Wiederbelebung der Original-Serie ist, die in England von den 60ern bis in die 80er durchgehend lief. Möglich ist das durch den eleganten Story-Twist, den die Autoren sich einfallen ließen: Wann immer der Doctor stirbt, regeneriert er sich in einem neuen Körper – im Klartext: Wenn ein Schauspieler keine Lust mehr auf den Doctor hat, schreiben die Autoren ihm einen dramatischen Tod und besetzen die Rolle neu.

Dass Steven Moffat und Mark Gatiss, wenn sie die Wiederauferstehung eines Klassikers planen, ihr Original sehr genau kennen, wissen wir nicht erst seit Sherlock. Auch für Doctor Who muss dieses zugegebendermaßen äußerst kreative Duo verantwortlich gemacht werden, was die dramaturgische Qualität der einzelnen Folgen und die geradezu unglaubliche Kontinuität einzelner Handlungsbögen erklärt. Teilweise werden Handlungsstränge aus der „alten Generation“ in der neuen Staffel aufgegriffen und verwoben. Der aktuelle Doctor Matt Smith ist bereits die elfte Reinkarnation der Kultfigur.

Was die Serie meiner Meinung nach so sehenswert macht, sind allerdings nicht die Handlung oder die Charaktere, obwohl beides, wie wir es von der BBC gewohnt sind, wirklich nicht zu verachten ist, sondern die liebenswürdige Selbstironie, mit der die Serie auf ihre eigene Vergangenheit zurückblickt. So sind die anfangs erwähnten Trash-Elemente nicht (nur) dazu da, Budget einzusparen, sondern erhalten vor allem den Charme des Originals aus den 60ern am Leben. Gleichzeitig scheinen die Autoren nur so vor Ideen zu sprühen, die keineswegs so billig sind, wie die Effekte aussehen. Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass ich das mal von irgendeinem filmischen Werk behaupten würde, aber ich gucke Doctor Who so gern, weil man sieht, wo da getrickst wurde. Das ist in einer Welt voller ausgefeilter Computer- und 3D-Effekte endlich mal ein ehrlicher Weg, mit übernatürlichen Phänomenen umzugehen.

(Und natürlich mag ich den Doctor. Aber ich finde, es ist fast überflüssig, das zu erwähnen.)

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