Film

Der Fluch der großen Erwartungen.

Vielleicht kann ich es unter „Ironie des Schicksals“ verbuchen, dass ausgerechnet die Filme, auf die ich lange warte, mich enttäuschen, und die, von deren Existenz ich erst erfahre, wenn ich sie sehe, mich überraschen und begeistern. Oder vielleicht hat es auch einfach nur etwas mit zu hohen Erwartungen zu tun.

One Day, auf deutsch Zwei an einem Tag,  fällt in erstere Kategorie. Zwei Jahre ist es her, dass das Buch mich berührt und begeistert hat und ich habe es seit dem bestimmt zwei- oder dreimal gelesen. Die Geschichte von Emma und Dexter, deren Lebensläufe untrennbar miteinander verknüpft sind, die aber – natürlich – erst ganz am Ende zusammenfinden, wird einfach nicht langweilig. Vielleicht liegt es an den nicht immer unbedingt sympathischen aber immer menschlichen Hauptpersonen, vielleicht an der ausgefeilten Liebe zum Detail, mit der die Geschichten miteinander verbunden werden, vielleicht aber auch einfach nur an der Tatsache, dass ich selbst gern so wäre wie Emma.

Ich erinnere mich daran, wie ich gelesen habe, dass sie Jim Sturgess als Dexter gecastet haben. Das muss jetzt auch schon gut eineinhalb Jahre her sein. Damit war ich recht zufrieden: ein britischer Schauspieler, offensichtlich talentiert und dabei auch den optischen Ansprüchen, die die Rolle des Dexter an einen Schauspieler stellt, gewachsen (mit anderen Worten: durchaus hübsch). Dann haben sie Emma Morley besetzt, und das mit niemand anderem als Anne Hathaway.

Nichts gegen Anne Hathaway persönlich, aber sie wird für mich immer die All American Princess bleiben, mit der sie in Plötzlich Prinzessin ihren Durchbruch feiern konnte. Ich würde sogar behaupten, dass nicht sie allein der Grund dafür war, dass ich Geliebte Jane so schlecht fand, auch wenn ich einen eigenen Artikel darüber verfassen könnte, was es für eine Tragödie ist, ausgerechnet Jane Austen, die britischste aller Britinnen, mal abgesehen von der Queen, mit einer amerikanischen Amerikanerin zu besetzen… Aber das gehört jetzt nicht hier her.

Fakt ist, dass Emma Morley bis ungefähr zur Hälfte des Buches ein graues Mäuschen ist. Die Befürchtung, dass sie Anne Hathaway einen schlechten Haarschnitt, schlecht sitzende Kleider und eine Brille verpassen und dann behaupten würden, sie sei unattraktiv, hat sich leider bewahrheitet. Wobei ich zu Miss Hathaways Verteidigung sagen muss, dass sie mich schauspielerisch wirklich positiv überrascht hat. Sogar den Akzent hat sie hinbekommen, zumindest so gut, dass sie mich mit meinen ungeübten Nicht-Native-Speaker-Ohren überzeugen konnte.

Was mich an dem Film viel mehr gestört hat, war die Abwesenheit jeglicher Form eines Spannungsbogens. Tatsächlich war es, als blättere man durch ein altes Fotoalbum und höre sich dazu Anekdoten über die jeweils abgebildeten Personen an. Wenn die emotionale Verknüpfung mit den Charakteren durch die Lektüre des Romans nicht schon vorhanden gewesen wäre, wäre sie durch den Film selbst wohl kaum zustande gekommen. Sehr bedauerlich.

Was mich außerdem gestört hat, war die makellose Optik des Films, die wohl vor allem der makellosen Optik der beiden Hauptdarsteller geschuldet ist. Zwar wurde durch die Ausstattung verzweifelt versucht, das Zeitgefühl des jeweiligen Jahres aufleben zu lassen, im Ergebnis hatte das Ganze jedoch nicht viel mehr als einen ziemlich aufgesetzten Retro-Chic, den auch der Soundtrack (ich vermute, er stammt von einer Sammel-CD alá „Die größten Hits aus 30 Jahren Popmusik“) nicht mehr retten konnte.

Vielleicht hätte man den Großmeister der britischen Tragikomödie Richard Curtis mit der Aufgabe betrauen sollen, aus One Day die nächste große romantische Komödie in der Tradition von Notting Hill und Love Actually zu machen. Vielleicht wäre dann der bittersüß-britische Charme des Romans nicht in blankpolierten, gefilterten Bildern verloren gegangen. So aber bleibt One Day eine von vielen RomComs, die mehr oder weniger erfolgreich im Kino laufen: Nett, aber nichtssagend.

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