Film

Kulturstau, Teil zwei.

Für Teil eins, siehe hier.

Da geht sie hin, meine Motivation. Ich muss mich gerade ein bisschen zusammenreißen, damit ich mich tatsächlich hinsetze und einen Artikel über Die Unsichtbare verfasse, wie ich es mir vorgenommen habe. Okay, tief durchatmen… und los geht’s.

Eigentlich – das heißt, wenn ich meine Entscheidungen nach irgendeinem logischen Muster treffen würde – hätte ich mir den Film gar nicht ansehen dürfen. Ich habe damals keine einzige der 108 Minuten von Black Swan genießen können, weil ich so sehr unter der Psychoterrorhandlung und den Horrorfilmeffekten gelitten habe. Nicht, dass ich Black Swan für einen schlechten Film halte, beileibe nicht, ich hatte nur die Hälfte der Zeit die Augen zu. Diese Art Film ist einfach nichts für meine schwachen Nerven.

Dann habe ich den Trailer zu Die Unsichtbare gesehen, der erfolgreich den Eindruck vermittelt, es handele sich um eine deutsche Version von Black Swan, mit dem Unterschied, dass nicht eine Ballerina sondern eine junge Schauspielschülerin zum Rollenstudium mit ihren inneren Dämonen konfrontiert wird und daran zerbricht.
Wie das Leben aber so ist, gab es natürlich verschiedene Gründe, die mich dazu bewegt haben, den Film doch anzusehen: Zum einen der Regisseur Christian Schwochow, der schon mit Novemberkind überzeugen konnte. Und dann der Cast. Ulrich Noethen, Ulrich Matthes, Corinna Harfouch, Dagmar Manzel, Anna Maria Mühe, Ronald Zehrfeld, Gudrun Landgrebe – diese Schauspieler bekommt man nicht zusammen, wenn man kein wirklich starkes Drehbuch vorzuweisen hat.

Ich habe dem Film also eine Chance gegeben – und war wirklich positiv überrascht. Mal abgesehen von der Thematik und einer geradezu beängstigend guten Hauptdarstellerin haben Black Swan und Die Unsichtbare kaum etwas gemeinsam. Während Black Swan meiner Meinung nach etwas zu viel auf wackelige Kamera und Erschreck-Effekte gesetzt hat, spielt sich der seelische Verfall der schüchternen Schauspielschülerin Fine fast nur im Gesicht von Stine Fischer Christensen, der bisher in Deutschland kaum bekannten Hauptdarstellerin, ab. Und das berührt, wenn die Geschichte auch an einigen Stellen etwas überfrachtet scheint.

Da hat jeder sein Päckchen zu tragen: Der Regisseur, eindringlich gespielt von Ulrich Noethen, hat ein Alkoholproblem, unter den Schauspielschülern herrscht Eifersucht, Fines Schwester ist geistig behindert, ihre Mutter mit der Situation überfordert, dazu kommt noch eine ziemlich hoffnungslose Liebesgeschichte zwischen Fine und ihrem Nachbarn – hier hätte dem Drehbuch der ein oder andere Abstrich gut getan. Auch die Darstellung der Theaterwelt, insbesondere der Probenarbeit und der einzelnen Figuren im Theater (lockerer Regieassistent, strenge Kostümbildnerin), wirkt klischeehaft und übertrieben.

Christian Schwochow gelingt es jedoch trotz des schwächelden Drehbuchs, das er zusammen mit seiner Mutter schrieb, Stimmungen und Situationen berührend einzufangen, was sicherlich auch der durch die Bank guten Darstellerleistung und Kameraarbeit zu verdanken ist. Die Unsichtbare ist mit Sicherheit nicht „der Feel-Good-Film des Jahres“ – aber ein solides Stück Kinoarbeit, dass es sich durchaus anzusehen lohnt.

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