Film/In Production

Rückkehr nach Mittelerde.

Als ich elf war, war ich das erste Mal alleine im Kino. Nicht ganz alleine, natürlich, sondern mit einem Haufen Freundinnen. Aber immerhin ohne Eltern und damals war das eine große Sache, denn es ging in einen Film ab 12: Der Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs. Heute würde man zu dem, was wir damals veranstaltet haben, fangirling sagen, damals gab es das Wort noch nicht. Es gab auch noch nichts, was einer Internet-Fangemeinde gleichgekommen wäre. Zumindest war ich kein Teil davon. Meine Aktivitäten am Computer beschränkten sich damals vor allem darauf, Minesweeper zu spielen oder seltsame Bilder bei Paint zu malen. Aber ich schweife ab.

Neulich habe ich ihn dann wiedergesehen, den letzten Teil der Herr-der-Ringe-Trilogie. Mag sein, dass es an den von RTL zuverlässig alle zwanzig Minuten eingespielten Werbepausen lag oder an meinem viel zu kleinen Fernseher oder an einem knappen Jahrzehnt, das weder am Internet noch an mir spurlos vorbeigegangen ist – ich habe mich vor allem eins gefragt: Was nur hat mich an diesem Film damals so begeistert?

Zu einem Großteil besteht Der Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs aus Szenen, in denen Orks und andere Kreaturen die Köpfe eingeschlagen bekommen. Mal abgesehen von den Leistungen der Special Effects und des Makeups ist das wenig sehenswert. Ich sage nicht, dass an Der Herr der Ringe grundsätzlich nichts sehenswert ist. Aber ich erinnere mich sehr genau, dass ich die Elemente, die ich heute als „sehenswert“ einstufen würde, damals nicht wirklich zu schätzen wusste. Beispielsweise das großartige Zusammenspiel von Elijah Wood und Sean Astin als Frodo und Sam. Frodo war damals immer nur „Frodo die Memme“. Welch ungeheure Bürde er auf seinen Schultern trägt, habe ich damals nicht wirklich zu würdigen gewusst. Vielleicht ist man da mit elf auch einfach noch nicht reif genug zu. (Merke: Altersbegrenzungen haben einen Sinn!)

Aber darüber wollte ich eigentlich gar nicht schreiben. Wenn ich jetzt noch erwähne, dass ich mir damals stundenlang alle Extras auf den DVDs angeschaut habe, insbesondere Berichte von den Dreharbeiten, Outtakes und Interviews mit Cast und Crew, schaffe ich vielleicht noch eine einigermaßen elegante Überleitung zum eigentlichen Thema dieses Posts: Der Hobbit.

Zugegebenermaßen liegen diese beiden Themen nicht allzuweit voneinander entfernt. Das wird klar, wenn man sich die zehnminütigen Production-Videos von The Hobbit ansieht, in denen Peter Jackson gnädig Einblick in die Arbeit am Set gewährt. Vor ein paar Tagen erschien Nummer sechs, in dem wir mehr über die Arbeit on location, also in freier Natur, erfahren. Klar, dass da nicht die wirklich interessanten Dinge zu sehen sind, wie etwa die großen Sets oder das Design des Drachen Smaug, über das schon heiß diskutiert wird. Eins aber wird trotz allem deutlich: Die Herr-der-Ringe-Crew ist wieder vereint, und, wenn das überhaupt möglich ist, noch begeisterter und engagierter als vor zehn Jahren. Die Videos lassen keinen Zweifel daran, dass das neue Projekt der Ring-Trilogie an epischem Ausmaß um nichts nachstehen wird, selbst wenn es sich „nur“ um den „kleinen“ Hobbit handelt.

Was den Cast angeht, hat sich Peter Jacksons Ruf durchaus bezahlt gemacht: Dass Martin Freeman als Bilbo nicht weniger großartig sein wird als als John Watson, steht außer Frage. Richard Armitage, den man ohne Bart und Plastiknase beispielsweise in der BBC-Miniserie North and South bewundern kann, wird als enigmatischer Zwergenkönig in Aragorns Fußstapfen treten. Lee Pace, ehemals der Piemaker aus Pushing Daisies, wird als blonder Elb hoffentlich nicht nur optisch eine gute Figur machen. Und dass Benedict Cumberbatch allein mit seiner Stimme als Smaug ganze Kinosäle in Angst und Schrecken versetzen kann, daran zweifelt, glaube ich, auch niemand mehr.

Diese international noch recht unverbrauchten Gesichter, gepaart mit dem ganzen Genie Herr-der-Ringe-erprobter Darsteller wie Andy Serkins als Gollum, Ian McKellen als Gandalf und Elijah Wood als Frodo, werden aus dem Hobbit einen Film machen, der hoffentlich nicht nur das Erfolgsrezept der Herr-der-Ringe-Trilogie nachzukochen versucht, sondern einmal mehr das Genre des Fantasy-Epos neu erfindet. Zuzutrauen wäre das Peter Jackson und seiner Crew durchaus.

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