Film

Über die Kunst des Lachsfischens in Wüstenstaaten.

Zugegeben: Es gibt spannendere Themen für einen Film als Angelsport. Umso überraschender, dass Salmon Fishing in the Yemen („Lachsfischen im Jemen“) gerade in der ersten Hälfte überzeugt, wo es noch fast ausschließlich darum geht. In der zweiten Hälfte, vermute ich, haben sich die Produzenten gedacht, dass sich ein Film über Angelsport allein niemals verkaufen wird und haben Nebenthemen wie den Irakkrieg, mehrere Liebesgeschichten, Terrorismus und Glaubensfragen in den Vordergrund gerückt.

Eigentlich hätte es das aber gar nicht gebraucht. Die Geschichte von dem etwas verklemmten Büroangestellten und Fischliebhaber Fred, der gebeten wird, im Jemen eine Lachsfischanlage für einen Scheich zu bauen, ist ebenso absurd wie erzählenswert. Wir treffen also den Scheich in Schottland, wo er in typischer Scheichbekleidung mit Fred zum Angeln geht und mit hintergründigem Lächeln Weisheiten von sich gibt. Merke: Dieser Scheich ist so betont befreit von jeglicher Verbindung zu Machtgier, Öl und Korruption (weil das ja politisch unkorrekt wäre), dass er in ein anderes Klischee abzurutschen droht: Das des gütigen Königs aus Tausendundeiner Nacht.

Aber das macht eigentlich gar nichts. Denn zu diesem Zeitpunkt ist die Geschichte bereits so absurd, dass alle Handlungslücken, Storytwists und selbst die hanebüchensten Ideen als Werkzeuge der Satire verstanden werden können. Was man unter Umständen kritisieren könnte, ist, dass der Film nicht von Anfang an diesen satirischen Ansatz zu verfolgen scheint. Was als harmlose und potenziell romantische Komödie beginnt, wächst schnell zu so einem Berg an Absurditäten an, dass die Figuren, die am Anfang nett und sympathisch agieren konnten, bald auch nur noch staunend daneben stehen.

Wenn man nicht von Anfang an darauf vorbereitet ist, wie etwa durch die Lektüre der Romanvorlage , kann es passieren, dass man sich irgendwann fragt, was aus dem netten Film geworden ist, über den man sich anfangs köstlich amüsiert hat. Eigentlich schade, dass ein Film, der potenziell ganz ohne die für Nahost-Filme (bedauerlicherweise) typischen Handlungsmotive wie terroristische Untergrundorganisationen ausgekommen wäre, sich auch nicht ganz von den westlichen Klischees freimachen kann.

Wenn ich für Salmon Fishing in the Yemen ein Genre festlegen müsste, dann wäre es wahrscheinlich sowas wie eine romantische Drama-Tragikomödie mit Anleihen aus Katastrophenfilm und Roadmovie. Das wird nicht so genau definiert und das kann sowohl als Stärke als auch als Schwäche des Films gesehen werden. Was definitiv eine Stärke des Films ist, sind die Bilder (großartige Landschaftsaufnahmen aus Schottland und dem Jemen), die Dialoge, die mit wachsender Absurdität nur an Spritzigkeit zunehmen und allem voran die Schauspieler.

Ewan McGregor spielt in letzter Zeit eher Rollen mit weniger Gesangseinlagen als Charakterzeichnung und das tut ihm gut. In Beginners konnte er genauso überzeugen wie hier, wenn er auch ein bisschen zu gut aussieht für die Rolle des Büroarbeiters Fred (aber wir wollen uns ja nicht beschweren). Auch Emily Blunt als Harriet, die ebenso charmant wie durchsetzungsfähig die Ansichten des Scheichs vertritt und deshalb (wenn auch nur am Anfang) mehr als einmal mit Fred aneinandergerät, überzeugt auf ganzer Linie. Und weil Amr Waked den klischeebelasteten Scheich so wunderbar spielt, entgeht dieser der Gefahr, nur noch zu nerven.

Salmon Fishing in the Yemen ist ein sehenswerter Film, allein schon deshalb, weil er das Publikum immer wieder zu überraschen versteht. Mich ködern (haha, Wortspiel…) dabei weniger die Fische als der britische Humor und die Situationskomik sowie die herzzerreißend sympathischen Charaktere. Ja, der Film geht hart an der Obergrenze dessen, was man einem Publikum an Absurdität zumuten kann, aber diese Grenze hat er, wie ich finde, geschickt zu überschreiten vermieden. Und so bleibt Salmon Fishing in the Yemen trotz allem ein Feel-Good-Film, den man sich wirklich anschauen sollte.

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