In Production/Serie/TV

Tatort: Vorspann.

Jetzt hat der Herr Schweiger es sich endgültig verscherzt. Ich war ja immerhin noch bedingt positiv eingestellt gegenüber seinem anstehenden Tatort-Auftritt in Hamburg. Zwar finde ich es fraglich, ob sich nicht talentiertere deutsche Schauspieler für die prestigeträchtige Rolle eines Tatort-Kommissars finden lassen und komme um die Vermutung nicht herum, dass Herr Schweiger lediglich seines Namens wegen (der ja zumindest im Genre der romantischen Komödie Erfolge an den Kinokassen verspricht) gecastet wurde – aber ich war bereit ihm eine Chance zu geben.

Die hat er jetzt verspielt, und zwar noch vor seinem eigentlichen Auftritt. Und zwar, indem er sich, wie heute Morgen in der Zeitung gelesen, öffentlich über den traditionsreichen Tatort-Vorspann mokiert. Dieser sei „out-dated“ und er werde „dafür kämpfen“ (d. h. Gelder fließen lassen?), dass bei seinem ersten Auftritt im Tatort ein anderer Vorspann laufe.

Ich finde, es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen „altmodisch“ und „traditionsreich“, den Til Schweiger hier gekonnt übersieht. Der Tatort-Vorspann wurde seit der Erstausstrahlung 1970 nur geringfügig verändert und zählt mit stolzen 42 Jahren zum TV-Urgestein. Es wird ja schon mehr als genug darüber gejammert, dass es mit dem Tatort, der Vorzeigeserie des deutschen Fernsehns, langsam bergab geht, während Typen wie Schimanski dem Sonntagabend den Rücken kehren und die Quoten, mal abgesehen vom Münster-Tatort, der inzwischen auch eher Gag-Parade als Krimi ist, langsam talwärts wandern.

Aber ist eine Verjüngungskur in Form eines neuen Vorspanns wirklich die Lösung für dieses Problem? Oder läuft man damit Gefahr, das letzte bisschen Tradition zu verlieren und in einer Masse an Krimiserien in Spielfilmlänge – wie etwa Bella Block, Polizeiruf 110 oder Unter Verdacht – unterzugehen? Ich vermute letzteres. Mit dem Tatort selbst kann man meiner Meinung nach anstellen, was man will. Experimente wie die umstrittene Tukur-Folge Das Dorf im Edgar-Wallace-Style oder neue Erzählformen wie in den hochgelobten Folgen Weil sie böse sind und  Nie wieder frei sein lassen hoffen, dass das deutsche Fernsehen noch nicht ganz den Mut zum Risiko und damit die Fähigkeit zur Erneuerung verloren hat. Den Tatort-Vorspann zu ändern würde diese Tendenz allerdings nicht unterstützen. Denn schließlich ist er, obwohl längst überholt, auch ein Verbindungsglied zwischen dem Tatort der 70er und dem von heute. Und so bleibt er ein Symbol dafür, dass eine Serie langlebig und traditionsreich sein kann – wenn sie sich nicht gegen filmische, dramaturgische und erzählerische Neuerungen zu sperrt.

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