Serie/TV

Die Herrschaften und ihre Diener.

Nach Sherlock, Doctor Who und den ganzen Miniserien, die ich schon in meiner Kostümfilmfanvergangenheit toll fand, hätte man es mit viel gutem Willen noch einen Zufall nennen können. Die BBC hat eben nur zufällig dreimal genau richtig gelegen, was meinen Geschmack angeht. Pures Glück. Aber jetzt habe ich, entgegen aller Vernunft, die erste Folge von Downton Abbey angeschaut und bin schon wieder völlig begeistert. Wo BBC draufsteht, scheint tatsächlich immer BBC drin zu sein, und in diesem Falle steht BBC für exquisite Schauspielerleistung, großartige Autoren, tolle Ausstattung und ein für Fernsehproduktionen wirklich außergewöhnliches Maß an Anspruch. Ich hätte es wissen müssen. Ich hätte, wie das sprichwörtliche gebrannte Kind, einen großen Bogen um diese Serie machen sollen, von der alle sagen, sie sei gut. Denn jetzt habe ich schon wieder nichts besseres zu tun, als mir täglich eine Folge anzusehen um dann, nach Ablauf der beiden existierenden Staffeln, verzweifelt auf die dritte zu warten.

Downton Abbey verfolgt – das ist zumindest, was wir aus der Pilot-Folge erfahren – das Schicksal eines britischen Herrenhauses im frühen 20. Jahrhundert. Dabei steht das Familienleben ebenso im Mittelpunkt wie das Leben der Bediensteten, ganz in der Tradition altbewährter Serien wie Upstairs, Downstairs („Das Haus am Eaton Place“). Überhaupt erinnert alles vom Stil und der Rollenverteilung sehr an diese Zeitreise, die die ARD vor ein paar Jahren veranstaltet wurde: Abenteuer 1900 – Leben im Gutshaus. Normale Menschen schlüpften für eine gewisse Zeit in die Rollen von vor hundert Jahren – vom Gutsherrn bis zum Stubenmädchen. Das fand ich damals schon sehr unterhaltsam, vor allem, weil es ganz ohne den voyeuristischen Ton der heutigen Reality-Soaps erzählt wurde. Aber das nur am Rande. In Downton Abbey stehen, über die üblichen Probleme, die strenge Hierarchien und Standesunterschiede mit sich bringen, hinaus, die einzelnen Charaktere im Vordergrund. Und die sind nicht alle so lieb und nett wie ihre hübschen Kostüme anfangs vermuten lassen.

Eigentlich war ich ja über Kostümfilmgeschichten hinweg. Was nicht heißen soll, dass ich nicht auch einen guten Kostümfilm zu würdigen wüsste, ich würde mir eben nur nicht mehr einen Film ansehen, nur weil die Leute darin Empirekleider und Bonnets tragen. Downton Abbey wäre allerdings schon der Ausstattung wegen sehenswert, aber darüber hinaus macht es nicht den Fehler, da bereits mit der Qualität aufzuhören. Das ist gelegentlich ein Problem bei Kostümfilmen, nach dem Motto: „Sie trägt ein schönes Kleid, wozu braucht sie noch einen Charakter?“

Downton Abbey hingegen bleibt nah bei seinen Charakteren und macht vor allem deutlich, dass uns, trotz allem gesellschaftlichen Fortschritt, die Probleme der Menschen von damals doch nicht so fremd sind. Und deshalb bin ich fest davon überzeugt, dass sich aus der „Standarderöffnung“ der ersten Folge (männliche Erben sterben und die Familie läuft Gefahr, den gesamten Besitz an irgendeinen nicht standesgemäßen Cousin zu verlieren) noch ein psychologisch ausgeklügeltes Geflecht von Handlungsfäden entwickeln wird, auf das ich mich jetzt schon freue.

Oh ja, Downton Abbey kann ich nur wärmstens weiterempfehlen, allerdings ist es ähnlich suchtgefährlich wie alles andere, wo BBC draufsteht. Und sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt.

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