Bücher/Web

Harry Potter 2.0

Wo wir gerade von J. K. Rowlings Aktivitäten sprachen… Pottermore ist da.

Mit Pottermore wurde uns von J. K. Rowling vor Monaten schon die weltweit einzige Möglichkeit versprochen, alle sieben Harry-Potter-Bände völlig neu zu erleben, völlig neue Hintergrundinformationen zu erfahren, völlig neue Erfahrungen in und um Hogwarts zu machen. Gefühlte Jahre befand sich die Seite in „beta“ – nur wenige Auserwählte wurden zugelassen, um das Erlebnis für die breite Öffentlichkeit zu formen. Und jetzt ist es da. Nach einigem Hin und Her kann man sich tatsächlich anmelden, kriegt einen Nutzernamen zugeteilt und wird auf die Reise durch sogenannte „Moments“ geschickt – Momente der Romane, an die sich jeder Leser im Schlaf erinnert. Was zunächst aussieht, wie ein simples Point-and-Click-Spiel entpuppt sich auf der weiteren Reise durchs Harry-Potter-Universum als – simples Point-and-Click-Spiel. Zugegebenermaßen sind die Hintergrundinformationen, die man durchs Klicken auf bestimmte Objekte erhält, durchaus echte Galleonen wert: J. K. Rowling plaudert aus dem Nähkästchen, über den kreativen Prozess hinter den Romanen, über Backgroundstories der Charaktere, die es nicht in die Bücher geschafft haben, über persönliche und weniger persönliche Erfahrungen. Allerdings wären diese leichter genießbar, wenn sie in einem Buch aufbereitet worden wären – und nicht auf einer Internetseite, auf der man erst mit der Maus alle Objekte befummeln muss, bis man endlich die gefunden hat, die lila aufleuchten und mit einem Klick ihr Geheimnis offenbaren.

Das ist natürlich der Sinn eines Point-and-Click-Spiels. Durch verschiedene Szenarios laufen, Gegenstände sammeln, Rätsel lösen – und sich so in der Geschichte vorarbeiten. Das Ganze verliert allerdings ein bisschen seinen Reiz, wenn man die Geschichte so auswendig kann wie die eingeschworenen Harry-Potter-Fans, die derzeit die Welt von Pottermore stürmen. Vielleicht wäre Pottermore interessanter, wenn man die Bücher nicht kennt – aber welchen Zweck verfolgt J. K. Rowling damit, eine Welt zu erschaffen, die das einzigartige Leseerlebnis der Bücher ersetzen könnte? Erwartet sie, dass Zehnjährige vor dem Computer den ersten Band lesen und sich währenddessen durch eine virtuelle Bilderwelt klicken? Es ist durchaus lobenswert, dass sich die Optik von Pottermore nicht an den Filmen orientiert, sondern eine neue, bilderbuchähnliche Harry-Potter-Welt erschafft (ein Bilderbuch mit Soundeffekten, versteht sich). Auch kleine Psychotests wie etwa die Auswahl eines Zauberstabs oder die Zuordnung zu einem der vier Hogwartshäuser (der Sprechende Hut stellt kniffelige Fragen wie: „Welchen Weg wählst du? Den zur Burg, den durch den Wald oder den zum Meer?“) machen Freude – aber Pottermore kurbelt weder die Phantasie des Lesers an, der Harry Potter schon kennt, noch verführt es Neulinge dazu, die Bücher zu lesen.

Wenn ich ehrlich bin, erschließt sich mir der Sinn dieser Seite nicht so wirklich. Ich weiß auch nicht, was ich erwartet habe, ich weiß nur, dass ich enttäuscht bin. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur beleidigt, weil der doofe Sprechende Hut mich nach Slytherin gesteckt hat. Vielleicht.

Aber ehrlich mal. Slytherin? Wer wohnt schon gern in einem Kerker?

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2 Kommentare zu “Harry Potter 2.0

  1. Ich schau morgen mal auf die Seite, war nur eben kurz schauen, da muß man sich ja extra für anmelden … mmmh .. na ja wenn man zu Potter gehören will, dann muss man das wohl^^ ich sag dir dann wo ich hingehöre …

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