Alltag/Theater/Web

Smile at a stranger.

Heute habe ich mich äußerst erfolgreich mit Fremden unterhalten. Das Ganze war Teil einer Aktion, die ich mit ein paar Kommilitonen in der Fußgängerzone Hildesheims gestartet hatte: Sprich mit einem Fremden. Eine Art Streetart-Theater-Denkanstoß-Performance. Das Ganze basiert lose auf dem Prinzip der Internetseite omegle.com, einer zugegebenermaßen leicht furchteinflößenden Institution mit dem Slogan „Talk to a Stranger“, bei der man automatisch mit einem zweiten Besucher der Website in einem Chat verbunden wird. Die einander vollkommen unbekannten Gesprächspartner können sich dann über alles mögliche austauschen (oder auch nicht). Ich verließ die Seite nach meinem ersten Rechercheversuch fluchtartig, weil ich den Gedanken gruselig fand, mit irgendeinem unsichtbaren Menschen aus den Weiten des Internets Smalltalk zu betreiben.

In einer sonnigen Fußgängerzone, stellte sich heute heraus, ist das sehr viel weniger beängstigend. Zwar musste ich ganz schön Sitzfleisch beweisen auf unseren schmucken, roten Klappstühlen, die wir in der Innenstadt als „Chatroom“ aufgebaut hatten, bis sich endlich jemand zu mir gesellte, aber schließlich kamen sie dann doch, die sonst so scheuen Hildesheimer Passanten.Wir sprachen über alles mögliche, aber insbesondere über Arbeit, da die Aktion im Rahmen des Projektsemesters Arbeit_er_finden stattfand. Weil wir dafür aber sowieso dokumentarisches Material für eine Performance im Juli sammeln mussten und einige der wirklich interessanten Gespräche aufzeichnen konnten, schlugen wir sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe.

Szenen wie diese habe ich bisher nur in Amerika erlebt, wo sie allerdings ganz ohne künstlich geschaffene Interviewsituation funktioniert haben. So etwa im Central Park, wo mich ein Fotograf ansprach, der daraufhin mindestens eine Stunde lang sein Weltbild vor mir ausbreitete, mir wertvolle Tipps zur künstlerischen Entfaltung gab, eine sehr spannende und berührende Geschichte über ein New Yorker Kolibri zu erzählen wusste und mir nebenbei „das beste Foto, das jemals vom Frühling im Central Park gemacht wurde“ zeigte, das er soeben geschossen hatte. (Seine Worte, nicht meine. Aber Recht hatte er.)

In Deutschland gab es sowas für mich nicht – bis ich mich auf einem Klappstuhl in die Hildesheimer Innenstadt setzte. Das hat Überwindung gekostet, das gebe ich zu, und ich musste mir den ein oder anderen schiefen Blick gefallen lassen, aber insgesamt hat es sich wirklich gelohnt. Sollte es euch mal schlecht gehen: Setzt euch in die Fußgängerzone, mitten auf die Straße, und lächelt Passanten an. Sie lächeln zu 99% zurück und am Ende des Tages wurde man von einer ganzen Menge Menschen angelächelt. Das hilft. Versprochen.

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Ein Kommentar zu “Smile at a stranger.

  1. Hallo Laura,

    was mich überrascht, aber umso mehr gefreut hat ist, dass 99% gelächelt haben! Das ist ein gutes Zeichen.

    Liebe Grüsse
    Tine

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