Serie/TV

Gruppenpsychologie für Anfänger.

Nach Ende des soeben gesendeten Tatorts Der Wald steht schwarz und schweiget hörte ich mich ein bisschen an wie ein aufgeregtes Meerschweinchen, was nicht am Tatort lag, sondern am nachfolgenden Trailer für eine gewisse britische Krimiserie, die am 17. Mai nach langem Warten zur ARD zurückkehren wird.

Aber darüber habe ich schon genug gesagt. Auch über den Tatort an sich habe ich mich schon geäußert. Überhaupt geht mir ein bisschen der Stoff zum Schreiben aus, weil mein Leben nur noch aus Doctor Who und Sherlock und Uniprojekten (in dieser Reihenfolge) zu bestehen scheint und über all das habe ich mehr als genug geschrieben.

Lasst mich trotzdem kurz meine Meinung zum heutigen Tatort loswerden. Gleich zu Anfang: Besonders toll war er nicht. Allerdings war er seit langem mal wieder ein Tatort, den ich bis zum Ende durchgehalten habe, und das ohne mich zu langweilen. Vielleicht lag es daran, weil es einer meiner heißgeliebten Charakter-Tatorte war. Also einer dieser Tatorte, in denen wir nicht hinter dem Ermittler durch eine deutsche Metropole rennen und zusehen, wie Dinge in die Luft fliegen, sondern einer, in dem wir die psychologische Innenwelt eines oder mehrerer Personen entschlüsseln müssen, um herauszufinden, wer der Täter war. Ein Tatort, in dem Gefühle erlaubt und erwünscht sind. Paradebeispiele sind dafür der Münchener Tatort Liebeswirren mit einem herausragenden Christoph Waltz oder Verdammt, in dem die Kölner Ermittler einem Pädophilen auf der Spur sind.

Natürlich lässt sich nicht leugnen, dass gerade diese Tatorte bevorzugt mit Klischees spielen, wenn sie sich mit gesellschaftskritischen Themen auseinandersetzen. So zum Beispiel heute, als die Gruppe jugendlicher Kidnapper charakterisiert wurde, die Lena Odenthal in ihre Gewalt gebracht hatten: Da eröffnete sich ein buntes Kaleidoskop von Straftaten und schweren Schicksalen, als hätte man einmal durchs Bundesgesetzbuch geblättert und alles herausgeschrieben, was ein Minderjähriger verbrechen kann ohne im Jugendknast zu landen. Auch mit der Logik ist es nicht weit her. Hier hatte die Polizei aber wenigstens, anders als in einem anderen dramatischen Entführungsfall im Bodensee-Tatort Bluthochzeit, Helikopter zur Verfügung. Weniger verständlich erscheint da, warum Lena gegen Ende heldenhaft einen ihrer Kidnapper (jugendlicher Schwerverbrecher und Nichtschwimmer) vor dem Ertrinken rettet, während sich der ebenfalls im sinkenden Boot befindliche Junge mit Schulterdurchschuss offenbar selbst helfen kann. Kaum liegt er auf der Trage, sieht er auch schon wieder ganz rosig aus. Von den Lena Odenthals treuem Kollegen Kopper will ich gar nicht erst anfangen. „Uns bleibt nicht viel Zeit“, raunt er mit einem grimmigen Blick auf die noch grimmigeren CGI-Gewitterwolken über dem Pfälzer Wald.

Aber vielleicht sind es all diese Kleinigkeiten, die mich weniger aufregen als dass sie mich schmunzeln lassen, die einen unterhaltsamen Tatort ausmachen. Darüber hinaus fand ich die schauspielerische Leistung der Jungdarsteller ganz hervorragend. Allen voran die von Frederik Lau. Und überhaupt habe ich eine Schwäche für Gruppenpsychologie in all ihren Formen. Sei es nun in diesem Tatort oder in Der Gott des Gemetzels oder in der beeindruckenden Doctor Who-Folge Midnight – gebt mir einen geschlossenen Raum, eine konstante Anzahl unterschiedlicher Charaktere und ein bisschen Zeit und ich bin dabei.

Ja, doch, eigentlich bin ich recht zufrieden mit diesem Tatort. Jetzt verabschiede ich mich für’s erste und lege all meinen (wenigen aber treuen) Lesern ans Herz, Donnerstagabend ARD einzuschalten, wenn es heißt „Brainy is the new sexy.“ (Bin mal gespannt, wie sie das übersetzen…)

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4 Kommentare zu “Gruppenpsychologie für Anfänger.

  1. Guten Morgen Laura,
    ich bin sicher, Du findest noch viele Themen, über die Du hier schreiben kannst. Bleib´ dran und gib nicht auf… (ich hörte etwas Blogmüdigkeit aus Deinen Worten
    ?!).
    Den Tatort konnte ich leider nicht sehen. Falls ich es schaffe, ihn über die Mediathek zu sehen, werde ich Deine Analyse noch einmal analysieren 😉

    Liebe Grüße und einen sonnigen Tag
    Tine

    • Ach nein, Blogmüdigkeit würde ich das nicht nennen. Nur ein kleiner Themenengpass, das geht hoffentlich vorüber!
      Gleichfalls liebe Grüße und einen ebenso wunderbaren Tag! 🙂
      Laura

  2. Pingback: Erlebnispädagogik mit Lena « Ansichten aus dem Millionendorf

  3. Dann gefällt Dir The Divide bestimmt sehr, das beste Kammerspiel, das ich in letzter Zeit gesehen habe. Ein sehr drastischer Film, allerdings ist die deutsche Fassung wohl um 15 (!) Minuten gekürzt. Ich weiß nicht, ob ihm das nicht einiges von seiner Wirkung nimmt.

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