Film

Krieg und Pferde.

Seit der Oscarverleihung, als der Trailer in Endlosschleife lief und mich offensichtlich erfolgreich „gehirngewaschen“ hat, wollte ich War Horse gucken. Ich weiß eigentlich gar nicht so genau, warum. Vielleicht erhoffte ich mir davon ein ähnlich unterhaltsames Spektakel wie von Australia, Baz Luhrmanns epischem Meisterwerk, das zwar hochdramatisch, vor allem aber unfreiwillig komisch war.

War Horse war leider nicht komisch. Auch nicht unfreiwillig. Der Film war noch nicht mal richtig episch. Außer man definiert die Epik eines Films anhand der Anzahl von offensichtlich gefilterten und mit CGI nachbearbeiteten Sonnenuntergängen. Wenn es danach oder nach der Menge der Streicher im Soundtrackorchester ginge, wäre War Horse definitiv der epischste Film, den ich je gesehen habe.

Im Vergleich mit traditionellen homerschen Epen wie der Ilias oder der Odyssee kann man War Horse aber nur belächeln. Für einen Epos dieser Kategorie braucht es etwas Bestimmtes: Einen Helden. Und der Held ist in War Horse… nun ja. Ein Pferd.

Ich habe nichts gegen Pferde. Ganz im Gegenteil. Ich bin stolzes und einziges Mitglied der Kampagne „Für mehr Pferde in Filmen, die eigentlich nichts mit Pferden zu tun haben“. Ich finde Pferde ästhetisch. Aber wenn sie zu Hauptpersonen werden, wird es problematisch. Dialoge zwischen Mensch und Pferd gehen mir irgendwie nicht so nahe wie die zwischen zwei Menschen.

Mensch: „Ruuuhig, ganz ruhig, Joey.“
Pferd: (guckt)
Mensch: „Wir werden uns wiedersehen, Joey.“
Pferd: (guckt)
Mensch: „Du musst jetzt stark sein, Joey.“
Pferd: (guckt)

Am Anfang war ich extrem erleichtert, dass Pferd Joey keine Erzählstimme hat. Irgendwann wäre mir das lieber gewesen. Lieber, als dem Pferd zuzugucken, wie es kommentarlos von Herrchen zu Herrchen tingelt. Denn die zeitweiligen „Besitzer“ Joeys sind nichts anderes als Sidekicks für den Helden, das Pferd. Und für Sidekicks habe ich, herzlos wie ich bin, nicht besonders viel Mitgefühl.

War Horse versucht, die Sinnlosigkeit des ersten Weltkriegs, die Verschwendung von Leben, seien es nun die von Tieren oder die von Menschen, begreifbar zu machen. Das gelingt nicht wirklich. Die durchaus ehrbaren Versuche, mit großen Landschaftsaufnahmen und Massenszenen zu arbeiten, werden von Szenen wie der, in der sich ein deutscher und ein englischer Soldat plakativ über dem verletzten Pferd versöhnen, zunichte gemacht.

Am Ende bleibt War Horse vor allem eins: Extrem kitschig. Seltene Lichtblicke sind die Auftritte von David Kross, Tom Hiddleston und Benedict Cumberbatch in viel zu kleinen Rollen, aber insgesamt vermögen auch die den Film nicht zu retten. Auch die Zielgruppe ist fraglich: Pferdemädchen müssten vor den Kriegsszenen zurückschrecken, Kriegsfilmfans vor den Pferden. Ich liege irgendwo dazwischen und fand den Film auch nicht toll.

Ich sage sowas nur ungern über irgendeinen Film, aber War Horse fand ich wirklich misslungen. Kann ich wirklich nicht empfehlen. Außer vielleicht für einen sehr späten, leicht angetrunkenen Mädelsabend. Vielleicht findet sich ja da noch die ein oder andere unfreiwillig komische Szene.

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2 Kommentare zu “Krieg und Pferde.

  1. Hab den Film ja immer noch nicht gesehen, bin ja gespannt wie ich den sehen werde 😉 Bis jetzt habe ich nur weniger gute Kritiken gelesen, aber ich geh völlig unbelastet in den Streifen 🙂

  2. Oh, das sehe ich anders. Ich war zwischendurch auch ein bisschen verärgert, dass gerade die Musik immer so sehr auf die Tränendrüse gedrückt hat und überhaupt hat mich der Film jetzt auch nicht so richtig, richtig erreicht (die Familie am Anfang zum Beispiel fand ich sehr klischeebeladen) – aber gerade die Szene im NIemandsland fand ich großartig.

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