In Production/Serie

Was macht der ultimative Englishman in New York?

Liebe Freunde des Consulting Detectives,

es gibt keinen Grund zur Aufregung. Seit der erste Trailer der CBS-Serie Elementary vor ein paar Tagen buchstäblich ins Sherlock-Fandom eingeschlagen ist, kann man sich mit keinem Sherlockian mehr unterhalten ohne den Standardsatz zu hören: „Warum sollten sie aus John Watson eine Frau machen und aus Sherlock Holmes nicht?“

Ich bin nicht hier um diese Frage zu beantworten, da müsste ich zu tief in die Gender-Kiste greifen und das gefällt mir ganz und gar nicht. Stattdessen möchte ich meine Meinung über den etwas längeren Elementary-Trailer, den ich online entdeckt habe, mit euch teilen.

Was ich von der Idee halte, die Geschichten Sherlock Holmes‘ ins heutige New York zu verlegen, nachdem die BBC freundlich abgelehnt hat, die Rechte an der modernen Londoner Adaption zu verkaufen, muss ich nicht wiederholen. Als eigenständige Serie jedoch wirkt Elementary, wie ich finde, durchaus sehenswert. Jonny Lee Miller als schrulliger Ermittler mit Drogenvergangenheit und ohne jegliches Gespür für soziale Interaktion ist mir sofort sympathisch. Seine Therapeutin/Nanny/Assistentin Joan Watson, die ihm in der Zeit nach dem Entzug helfen soll, mit dem Alltagsleben zurecht zu kommen, bleibt zwar eher farblos, scheint als schablonenhafter Gegenpart, sei es nun Sidekick oder mögliche Romanze für den Helden, ihren Zweck zu erfüllen.

Ich verzichte bewusst darauf, die beiden Protagonisten in Bezug auf ihre literarischen „Vorbilder“ Sherlock Holmes und John Watson zu beschreiben, denn, bei aller Liebe – mit denen haben sie, bis auf die Namen, nicht das Geringste zu tun. Das führt zu einer gewissen Irritation wenn Jonny Lee Miller im Interview die „Beziehung zwischen Holmes und Watson“ als einen der Höhepunkte der Serie lobt (ich denke immer für einen Moment, er spricht von der  anderen Serie oder den Filmen von Guy Richie), macht ansonsten aber fast gar nichts, wie ich finde.

Sherlock Holmes und Dr. Watson gehören schon lange nicht mehr Arthur Conan Doyle und noch weniger gehören sie Steven Moffat und Mark Gatiss, auch wenn das gesamte BBC-Sherlock-Fandom davon auszugehen scheint, dass die beiden ein Recht auf die korrekte Abbildung der beiden Kultfiguren gepachtet haben. Vielleicht wäre es geschickter von CBS gewesen, die beiden Hauptcharaktere dieser vielversprechenden Serie nicht Holmes und Watson zu nennen, denn jetzt muss sich Elementary zwangsläufig mit der makellosen BBC-Produktion messen – ein Kampf, den man nur verlieren kann.

Ohne Sherlock Holmes und Dr. Watson wäre Elementary eine amerikanische Krimiserie mit einem gewissen Etwas und könnte sich zweifellos in die Tradition von hochwertigen, charakterstarken Serien wie Lie to me oder Dr. House (was ironischerweise auch eine Adaption des Holmes-Stoffes ist) einreihen. So aber muss Elementary erst die Hürde überwinden, die „andere“  Sherlock-Holmes-Version zu sein – wahlweise auch die „schlechtere“ oder die „falsche“, wenn man das Sherlock-Fandom fragt – und ich bin mir nicht sicher, ob sie dafür das Rückgrat hat. Eine Chance hat sich die Serie durch den Trailer bei mir definitiv erspielt. Wollen wir hoffen, dass das Sherlock-Fandom gnädig ist und Elementary nicht als Gefahr für die Beliebtheit der BBC-Produktion sieht. Denn das ist es definitiv nicht.

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