Film/TV

Der Psychopath von nebenan.

Ich kann mich nur wiederholen: Das deutsche Fernsehen ist nicht so schlecht wie uns ein paar Jammerlappen Glauben machen wollen. Das hat mir Unter Nachbarn einmal mehr bewiesen, ein Film, der letzen Mittwoch im Ersten lief und immer noch in der Mediathek zu finden ist.

Zugegeben, der Titel klingt nach Soapopera mit Nachbarschaftsstreit und ohnehin wäre „Dinge, die du nicht tun solltest, wenn dein Nachbar ein Psychopath ist“ als Titel für den Film womöglich passender gewesen… aber all das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass mich dieser Film ziemlich beeindruckt hat.

Ganz ehrlich, ich konnte danach erst mal eine halbe Stunde nicht schlafen gehen und auch sonst nicht viel machen, weil das Adrenalin in meinen Blutbahnen mich daran gehindert hat, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Das ist umso überraschender, wenn man betrachtet, dass die Geschichte, die in Unter Nachbarn erzählt wird, nicht unbedingt neu ist. Altbekannte Elemente werden instrumentalisiert: Die erzwungene Freundschaft zwischen zwei einander eigentlich fremden Männern, nachdem sie durch einen Zufall in einen tödlichen Unfall mit Fahrerflucht verwickelt wurden. Die zunehmende Obsession des einen und die zunehmende Paranoia des anderen. Dazu noch der hoffnungslose Versuch des einen, seine Schuld dadurch zu erleichtern, dass er sich in das Leben der Schwester des Opfers einmischt. Da müsste eigentlich völlig klar sein, wie das ausgehen wird.

Trotzdem gelingt es Regisseur Stephan Rick, der auch das Drehbuch mitverfasste, eine Spannung aufzubauen, die ich im deutschen Fernsehen selten so erlebt habe. Das mag zum Teil auch den Darstellern geschuldet sein, die durch ihr eindringliches Spiel zu jedem Zeitpunkt sympathisch sind, wenn ihre Handlungen auch nicht immer ganz verständlich sind. Vor allem Charlie Hübner überzeugt als unbeholfenes Muttersöhnchen mit, wie sich im Verlauf des Films herausstellt, einem tödlichen Bedürfnis nach Zuneigung. Maxim Mehmet als Gegenpart bleibt da nur noch, verzweifelt aus der Wäsche zu gucken, während er zunehmends die Kontrolle verliert – und das gelingt ihm, ohne die Figur des David langweilig werden zu lassen. Auch das eine Meisterleistung.

Viel mehr kann ich nicht sagen, ohne die Handlung des Films vorweg zu nehmen, nur so viel noch: Für diesen Film lohnt sich tatsächlich mal wieder ein Blick in die Mediathek. Auf dass die Jammerlappen endlich lernen, sich an den wirklich guten Filmen zu freuen, anstatt ständig über Castingshows und Realitysoaps zu lamentieren!

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Ein Kommentar zu “Der Psychopath von nebenan.

  1. Hallo Laura,
    Yes! Ich habe den Film gesehen und hinterher überlegt, ob ich noch einmal Deinen „Mittwochsfilm-Eintrag“ kommentiere… 🙂 Der Film war wirklich klasse, auch ich empfehle ihn jedem, der am deutschen Film zweifelt.

    Viele unerwartete Wendungen, die wirklich Spannung erzeugen – bis zum Schluß. Man will wissen wie es weiter geht. Ein relativ einfacher Plot, sparsame Location, knappe, prägnante Dialoge.

    Auch ich war nach dem Ende des Films sehr berührt und still…
    Liebe Grüße
    Tine

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