Bücher

Wo man Bücher verbrennt…

(Ich tue sowas nur selten, ja eigentlich nie, aber besondere Ereignisse verlangen besondere Maßnahmen. Hier also der zweite Post innerhalb eines Tages.)

Leider ist der Anlass ein trauriger: Ich habe gerade erfahren, dass Ray Bradbury gestern Abend verstorben ist und weil er mein erster und liebster Science-Fiction-Autor war, möchte ich ihm hiermit einen kleinen Tribut zollen.

Fahrenheit 451 ist ein Buch, dass ich immer, immer, immer lesen kann. Ich besitze eine kleine Taschenbuchausgabe aus dem besten Buchladen der Welt, der sich in einem winzigen Wohnhaus am Capitol Hill in Washington D. C. versteckt und vollgestopft ist mit Second-, Third- und Fourth-Hand-Büchern. Genau dahin gehört ein Buch wie Fahrenheit 451, in dem es um eine Zukunftsgesellschaft geht, in die Feuerwehr dazu da ist, Bücher zu verbrennen, weil diese das fragile Seelenheil der gehirngewaschenen Gesellschaft zerstören würden.

Wie sich herausstellt, zu Recht. Als der Feuerwehrmann Guy Montag dem rebellischen Mädchen Clarisse begegnet und ihm kurz darauf ein Buch in die Hände fällt, ist er nicht mehr zu bremsen und startet eine Ein-Mann-Revolution gegen den übermächtigen Staat. Die Zukunftsvisionen Bradburys beschränken sich dabei auf höher entwickelte Technik (wobei uns riesige Bildschirme überall und ständige Beschallung durch den „Knopf im Ohr“ heute gar nicht mehr so fremd erscheint) und die Charakerisierung einer von träger Glückseligkeit gelähmten Gesellschaft. Bradbury setzt sich damit vor allem kritisch mit dem „Streben nach Glück“ auseinander, das in der Constitution als Teil des American Dream verankert ist.

Natürlich kommt kein dystopischer Zukunftsroman ohne den obligatorischen erhobenen Zeigefinger aus. Was den bei Fahrenheit 451 so spannend macht ist die Tatsache, dass Bradbury seinen Roman bereits in den Fünfzigern verfasste und viele seiner Vorahnungen sich heute tatsächlich bewahrheitet haben. Darüber hinaus ist Bradburys Sprache einfach, aber metaphorisch aufgeladen. Die Einfachheit und Wahrheit seiner Sprache schafft es immer wieder,  mich zu berühren.

„He felt she was walking in a circle about him, turning him end for end, shaking him quietly, and emptying his pockets, without once moving herself.“

Und die Dialoge, alle Dialoge, sind so großartig, dass ich es kaum erwarten kann, diesen Roman auf irgendwie auf irgendeine Bühne zu bringen. Nummer eins meiner absoult größten Inszenierungswünsche. Noch vor Don Carlos. Aber das ist ein anderes Thema.

So hat dieser traurige Anlass doch ein gutes: Ich habe endlich das erste Buch meines Bücherregals abgearbeitet und stelle fest: Es ist gar nicht so schwierig, über Bücher zu schreiben. Das werde ich in Zukunft wirklich öfter tun. Bis dahin…

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