Serie/TV

Torchwood hat auch seine guten Seiten.

Wer bin ich denn, dass ich glaube, ich könnte der Versuchung einer weiteren BBC-Serie widerstehen, die noch dazu ein Spinn-off von Doctor Who ist? Seit ich mit dieser Serie fertig bin, greife ich zu wahrhaft drastischen Mitteln, um mein Bedürfnis nach britischem Trash zu stillen. Torchwood ist eines davon.

Eigentlich geht es um die fünfköpfige Alienjägerorganisation Torchwood, die in Cardiff ihre Zelte aufgeschlagen hat, weil passenderweise genau da einmal wöchentlich das ein oder andere Alien durch einen Spalt in Raum und Zeit schlüpft. Ich sage „eigentlich“, weil die Autoren anscheinend das Gefühl hatten, man müsse sich von der „Familienserie“ Doctor Who abgrenzen, weshalb in der Serie tatsächlich nicht die Aliens sondern das altbekannte Schema von „Sex, Crime and Kunstblut“ den Handlungsmittelpunkt bildet.

Geleitet wird das Team von dem enigmatischen Captain Jack Harkness, der das verbindende Glied zu Doctor Who darstellt, wo er in Folgen wie The Empty Child und Utopia auftauchte. Und der macht bekanntlich vor nichts Halt, was einen mehr oder weniger symmetrischen Körperbau und vier Gliedmaßen hat. Auch das kommt in Torchwood mehr als nur gelegentlich zur Sprache.

Vieles an Torchwood stimmt mich ziemlich traurig. Beispielsweise die Tatsache, dass bei Captain Jack dermaßen offensichtlich ist, dass Schauspieler John Barrowman sich in der Rolle ziemlich geil findet. Und der Mangel an durchgehenden Handlungssträngen. Und der Mangel an jeglicher Form der Logik. Aber das ist es ja, was Trash ausmacht, nicht wahr? Ich bin mir nur nicht sicher, ob den Produzenten klar ist, dass sich hochklassigen Trash produzieren…

Warum ich mir trotzdem immer noch eine Folge nach der anderen ansehe? Es macht einfach Spaß. Neben seltenen Glanzpunkten, die tatsächlich beabsichtigt scheinen, gibt es eine ganze Reihe an wirklich großartigen unfreiwillig komischen Momenten. Und dann ist da noch die Tatsache, dass Torchwood etwas richtig macht, was ich bisher in keiner anderen Serie so „richtig gemacht“ gesehen habe.

Torchwood ist die erste und einzige Serie, die ich bisher gesehen habe, die mit homosexuellen Beziehungen absolut natürlich umgeht. Wenn man mal davon absieht, dass die gesamte Darstellung von Sexualität in Torchwood ein wenig unnatürlich ist. Worauf ich hinaus will: In jeder anderen Serie, die sich damit schmückte, auch homosexuelle Beziehungen zur Sprache zu bringen, wurden gerade diese Beziehungen immer zum Problem gemacht. In Glee, beispielsweise, ist Kurt schwul. Aber sowas von schwul. Das ist seine Charaktereigenschaft. Rachel ist eine nervige Diva, Quinn ist eine intrigante Zicke, Brittany ist dumm, Kurt ist schwul. Und mindestens jede zweite Folge wird sich damit auseinandergesetzt, was das für Kurt und sein Gefühlsleben bedeutet.

Ich verstehe, warum die das so machen. Ich sehe auch ein, dass diese Art, Homosexualität darzustellen, sinnvoll ist. Schließlich vertritt Glee sehr erfolgreich die Message, dass es zwar schwierig, aber okay ist, sich als schwul zu outen. Damit trifft die Serie, wie ich fürchte, die harte Realität auf der durchschnittlichen amerikanischen High School im Kern.

Was Torchwood grundlegend anders macht, ist Folgendes: Es zeigt homosexuelle Beziehungen, und zwar verschiedenster Art, ohne sie zum Thema zu machen. Mal abgesehen davon, dass bei Torchwood Cardiff sowieso mal jeder mit jedem… aber das ist ein anderer Kritikpunkt. Wie jegliche Form der Sexualität in Torchwood dargestellt wird, geht mir auch gegen den Strich. Was ich allerdings extrem lobenswert finde, ist, dass die Darstellung der homosexuellen Beziehungen sich in keinster Weise von der der heterosexuellen Beziehungen unterscheidet. Nicht im Geringsten. Und so ist die Beziehung zwischen Gwen und Owen genauso okay wie die zwischen Jack und Ianto.

Zugegeben: Torchwood Cardiff ist eine geradezu utopisch tolerante Umgebung. Erst wenn du eine Roboterfrau anschleppst, die die Weltherrschaft an sich reißen will, ist die Kacke am Dampfen. Ansonsten ist alles erlaubt und akzeptiert. Insofern ist Torchwood nicht nur in Bezug auf die Aliens leider noch Science-Fiction. Anders als Glee, wo ehrbar versucht wird, die oft noch harte Realität von homosexuellen Beziehungen darzustellen, wird hier die Welt so gezeigt, wie sie sein könnte, wenn die Leute endlich aufhören würden, sich über „kleinliche Kategorien“ (wie Jack es nennen würde) aufzuregen.

Glee schafft, es Probleme aufzuzeigen, hält sie so aber auch im kollektiven Bewusstsein am Leben. Torchwood zeigt homosexuelle Beziehungen als das, was sie sein sollten: Vollkommen normal. Und, Trash hin oder her, das ist etwas, was Torchwood jeder anderen Serie, die ich bisher gesehen habe, voraus hat.

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5 Kommentare zu “Torchwood hat auch seine guten Seiten.

  1. Wer kann einer BBC-Serie schon wiederstehen? Ich nicht. So, langsam glaube ich das kann kaum jemand. Ich bin schon sehr gespannt auf Miracle Day am Freitag. Ich hoffe das die weiterführung der Serie mit Hilfe eines amerikanischen Senders kein Fehler war und das der überragende britische Humor noch vorhanden ist.

    • Oooh, stimmt ja, Miracle Day im Deutschen Fernsehen! Juhu! Obwohl ich wirklich nicht weiß, ob ich mir Torchwood ohne Ianto zumuten will. Ehrlich gesagt habe ich mich noch nicht mal getraut, mir die letzte Folge von Children of Earth anzusehen…
      Liebste Grüße!
      Laura

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