Film/In Production

Worüber es sich zu reden lohnt.

Da ist man mal zwei Wochen nicht da und schon häufen sich die bebloggungswürdigen Themen. Der Hobbit offenbart sein achtes und zum Glück noch nicht, wie zunächst angenommen, letztes Produktionsvideo, das mich zu wahren Begeisterungsstürmen treibt, weil wir darin endlich einen Blick auf Lee Pace als Elbenkönig erhaschen können.

Tom Hiddleston, Mia Wasikowska, Tilda Swinton und Anton Yelchin drehen mit Jim Jarmusch in Köln, also praktisch fast ganz nebenan, allerdings hinter verschlossenen Türen. Dabei wird ein künstlerisch wertvoller Vampirfilm mit dem Titel Only Lovers Left Alive herauskommen, nach dem ich mir jetzt schon die Finger lecke.

Nebenbei habe ich auch noch die Eröffnungsfeier von Olympia, für die, wie man mir berichtete Danny Boyle jeden Fitzel britische Großartigkeit unter einem Dach vereinte, verpasst. Das wird aber so bald wie möglich nachgeholt, denn wozu gibt es Mediatheken?

Und dann gibt es noch einen neuen Einblick hinter die Kulissen von Anna Karenina. Darüber möchte ich mich jetzt ein bisschen ausführlicher äußern. Es wäre vermessen, zu behaupten, ich habe meine Londonreise im September allein deshalb geplant, damit ich Joe Wrights neuesten Film dann vor allen anderen und noch dazu auf Englisch im Kino sehen kann. Tatsächlich handelt es sich dabei um einen Zufall, wenn auch um einen sehr glücklichen, wie ich zugebe. Sehr glücklich macht mich außerdem dieses kleine Filmchen:

Mit dem Trailer, der uns etwas mehr über die Natur dieser sehr experimentellen Literaturverfilmung verrät, macht Joe Wright uns eines klar: Das mag ein Film sein, der ungefähr achtzig Prozent des Cast seiner bisherigen Filme übernimmt, es mag die Verfilmung eines Klassikers sein, aber mit dem, was er uns in Stolz und Vorurteil und Abbitte präsentiert hat, hat das nichts mehr zu tun. Wir durften ja schon in Wer ist Hannah? erleben, wie Joe Wright die zwar ausgetretenen aber auch sicheren Pfade des konventionellen Kinofilms verlässt und damit nicht nur Lob erntete. Mit Anna Karenina scheint er noch einen Schritt weiter zu gehen.

Mir ist nicht ganz klar, was für ein Publikum er damit anvisiert. Rein optisch erinnert der Trailer an den von Das Kabinett des Doctor Parnassus, aber wird ein Fan psychedelisch angehauchter Terry-Gilliam-Filme sich auf die Inszenierungs eines gut 1000-seitigen Tolstoi-Werks einlassen? Ebensowenig wird der Trailer eingefleischte Kostümfilmfans ködern. Keira Knightley sagt es ja geradeheraus: Das hat nichts mehr mit dem Kostümfilm zu tun, den wir kennen. Ein weiteres, geringeres Problem formuliert sich wie folgt: „Wie, Jude Law ist in dem Film hässlich?“

Da fragt man sich: Visiert Joe Wright überhaupt irgendein Publikum an? Ich glaube nicht. Nicht gezielt zumindest. Anna Karenina wird kein Film werden, der sich in üblichen Nischen vermarkten lässt. Würde ein weniger bekannter und renommierter Regisseur seinen Namen darüber setzen, wäre das Werk geradezu prädestiniert dazu, in winzigen Arthouse-Kinos in großen Städten zu laufen, um vom breiten Publikum weitestgehend ignoriert zu werden. Joe Wright (oder seine Produktionsfirma, um deren Geld es hier ja schließlich geht) wagt einen Schritt, den man in Hollywood wahrscheinlich mindestens waghalsig, wenn nicht lebensmüde nennen würde und verlässt sich nicht auf den Geschmack des Publikums sondern allein auf den Regisseur und die Stärke des Casts. Ich finde es bewundernswert, dass Joe Wright den Mut aufbringt, seinen Film, der offensichtlich allen altbekannten Sehgewohnheiten widerspricht, einem breiten Publikum zugänglich zu machen, anstatt sich allein auf bebrillte Kunstfilmfans zu beschränken.

Es ist mir fast egal, wie die Kritiken ausfallen werden. Fakt ist, es handelt sich nach einiger Zeit mal wieder um einen Film, über den es sich zu reden lohnt. Einer, der das Publikum spalten und bei den Jurys diverser Filmpreise hoffentlich auf fruchtbaren Boden fallen wird. Das wird schwierig, keine Frage. Ein Film wie dieser läuft Gefahr, von Seiten der Avantgarde als nicht künstlerisch genug und von Seiten der breiten Masse als zu anspruchsvoll verschmäht zu werden. Ich hoffe und glaube allerdings, dass es Joe Wright mit seinem einmaligen Geschick gelingen wird, den schmalen Grat dazwischen zu treffen und alle zufrieden zu stellen.

Gut, sicher nicht alle. Aber mich, die im Kopf einen revolutionären Kunstfilm will und im Herzen eine Romanze, mit Sicherheit.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s