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Only Britain is Great.

Die Briten hatten gestern Abend bei der Abschlussfeier der Olympischen Spiele in London Gelegenheit, eine Sache unter Beweis zu stellen, die schon seit einiger Zeit der Klärung bedurfte: Großbritannien ist und bleibt die weltweit führende Popkulturnation. Und wenn die USA jetzt aufspringen um Einspruch zu erheben, sage ich nur: Shakespeare, Tolkien, Doctor Who, Harry Potter, The Beatles, Sherlock Holmes, Jane Austen, Charlie Chaplin, Monty Python, all das hat seine Wurzeln auf Britischem Boden und die Liste ist beliebig fortsetzbar. Was hast du dagegen aufzubieten, Land der unbegrenzten Möglichkeiten? Und sag jetzt nicht Twilight.

Es ist also nicht überraschend, dass die Welt in London feiert, feiert sie doch nicht nur Großbritannien sondern zugleich die Wiege der heutigen Popkultur. Und die ist universell, spricht jeden an, weltweit. Ich habe mich besonders über den überdurchschnittlich hohen Anteil an Shakespeare-Zitaten gefreut, besonders über die Tatsache, dass sie in der Abschlussfeier den Boden der gesamten Arena bildeten und somit das Fundament, auf dem die kaleidoskopartige Reise durch die Popgeschichte stattfand. Aber vielleicht geht da auch meine Interpretationslust mit mir durch.

Der Spaß am Interpretieren war während der gesamten Abschlussfeier auf jeden Fall ungebrochen. Wie auch, wenn man solche Nüsse zu knacken bekommt wie eine durchsichtige Riesenkrake mit Neonlicht und einem DJ in der Mitte… Daran werde ich noch eine Weile zu knabbern haben. In jedem Fall ist das aber ein Beispiel dafür, dass während der Abschlussfeier in London die Welt aus den Angeln gehoben, jegliche Stringenz abgeschafft und die Popkulturanarchie eingeführt wurde. Etwas, das mir irgendwie auch ziemlich britisch vorkommt: Selbstironie. Wenn die Queen zustimmt, sich (wenigstens zum Schein) während der Eröffnungsfeier von James Bond aus einem Helikopter schubsen zu lassen, dann gehört da eine ganze Menge trockener, britischer Humor dazu – mehr als irgendwer Elizabeth II. zugetraut hätte.

Und wenn sich die Doctor-Who-Fans (zu recht) beschweren, dass ihr Lieblingsheld in seiner blauen Telefonzelle nicht aufgetaucht ist, dann bleibt mir nur zu erwidern: Was bitte sollten denn die Massen an TARDIS-blau gekleideten Menschen mit Glühbirnen auf dem Kopf darstellen, wenn nicht die treue Begleiterin des Doctors? Das war für mich ganz klar eine Doctor-Who-Referenz und so schnell wird mich niemand vom Gegenteil überzeugen.

Bedauerlich ist meiner Meinung nach lediglich, dass zwar die Musiker und sogar die Models Großbritanniens während der beiden Feiern eine Bühne bekamen, nicht aber die Schauspieler, von denen viele weltweit zur absoluten Spitze gehören. Und nein, ich spreche nicht (nur) von Benedict Cumberbatch (obwohl der definitiv Spitze ist), sondern von Namen wie Kate Winslet, Jude Law, Hugh Grant, Ben Kingsley etc. etc… auch diese Liste lässt sich beliebig verlängern. Wenigstens hatten Kenneth Branagh in der Eröffnungsfeier und Timothy Spall in der Abschlussfeier die Gelegenheit, stellvertretend für ihre Zunft ein paar Sätze von Shakespeare zum Besten zu geben, aber ein paar andere Stimmen hätte ich schon gern noch gehört.

Wie dem auch sei – wenn die Abschlussfeier der Olympischen Spiele gestern Abend mich eins gelehrt hat, dann das: Ich bin stolz darauf, britisch zu sein. Dabei bin ich noch nicht mal britisch. Aber das ist ein verschwindend geringes Hindernis, das ich in näherer Zukunft aus der Welt zu schaffen gedenke: Hinziehen. Einen Sir heiraten. Rothaarige Kinder kriegen. Zumindest Punkt eins befindet sich in Planung.

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