Film

Schlimmes Ende.

So ist das mit den Dingen, die zu schön sind um wahr zu sein. Sie sind meistens nicht wahr. Wäre ja auch ein wirklich außergewöhnlicher Zufall gewesen wenn ich, die ich selten in eine Sneak Preview gehe weil ich Angst habe, einen Horrorfilm zu erwischen, nach drei Trailern für drei großartige Filme (Der Hobbit, Anna Karenina und Ludwig II.) auch noch den Film vorgesetzt bekommen hätte, den ich mir gewünscht habe. Aber so spielt nun mal das Leben.

Ironischerweise war Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt genau der Film, den ich mir heimlich erhofft hatte. Laut Trailer eine etwas schräge Endzeitkomödie mit Steve Carell und Keira Knightley. Die erste Dreiviertelstunde verlief auch vielversprechend schwarzhumorig: Ein Komet rast ungebremst auf die Erde zu. Rettung ausgeschlossen. Der leicht spießig angehauchte Dodge wird von seiner Frau verlassen, seine Freunde üben sich plötzlich im Carpe Diem, zwanzig Tage vor Weltuntergang häufen sich plötzlich die Jobangebote – und die Selbstmorde. Weltuntergangsstimmung mal auf eine andere Art, böse, entlarvend und erschreckend ehrlich. Dann aber kommt eine Kehrtwende, die mir völlig rätselhaft bleibt. Aus der spritzigen, bösen Komödie wird eine kitschige, langwierige Romanze, was dem Auftritt von Keira Knightley als verschrobene Nachbarin des spießigen Dodge zu schulden ist. Nichts gegen Keira Knightley. Ich genieße eigentlich jeden ihrer Auftritte, nicht umsonst befinden sich Stolz und Vorurteil und Abbitte noch immer in der Top 5 meiner absoluten Lieblingsfilme. Und auch hier war an ihr schauspielerisch gar nichts auszusetzen (bis auf die Synchronstimme…) – nur war der Charakter als solches leider vollkommen überflüssig. Ebenso wie die knospende Romanze zwischen ihr und Dodge. Schmachtende Dialoge im Angesicht eines Kometen, der auf die Erde zurast, waren nun wirklich nicht das, was der Anfang des Films versprochen hatte. Es bleibt mir ein Rätsel, wie aus dieser zu Anfang wirklich extrem unterhaltsamen, zynischen, ja fast schon satirischen Gesellschaftskomödie ein Schmacht-Schmalz-Schinken werden konnte, der den Werken von Nicolas Sparks und deren Verfilmungen um nichts nachsteht. Würde nicht IMDB das Gegenteil behaupten würde ich vermuten, dass der Drehbuchautor einfach bei der Hälfte keine Lust mehr hatte und dafür den Praktikanten weiterschreiben ließ. Tatsächlich stammt das Drehbuch aber in voller Länge aus der Feder von Writer/Director Lorene Scafaria. Vielleicht liegt es an dieser kreativen Personalunion, dass die Regie offensichtlich blind war für die einschneidenden Mängel des Drehbuchs.

Es ist ein Jammer. Ich würde diesen Film wirklich gerne weiterempfehlen. Also die erste Hälfte. Aber ich kann ja schlecht empfehlen, sich die erste Hälfte anzusehen und dann das Kino zu verlassen um sich einen interessanten Schluss für das Ganze auszudenken. Vielleicht lässt sich durch eine gut gemeinte Warnung Abhilfe schaffen. Hätte ich die romantische Wendung im Plot und die damit einhergehende pathetische Geigenmusik und wirklich, wirklich ganz klischeehaften Dialoge („Ich dachte, wir würden uns irgendwie gegenseitig retten…“ – „Das haben wir doch.“) vorausgeahnt, wäre ich vielleicht nicht ganz so befremdet gewesen. So aber wartete ich die ganze Zeit darauf, dass diese unheimlich kitschigen Szenen durch irgendeine ironische Brechung satirisch aufgelöst würden. Wurden sie nicht. Anscheinend waren sie ernst gemeint. Schade, ich hatte mich zu Anfang des Films schon riesig auf ein schräges, innovatives, vielleicht schockierendes oder wenigstens lustiges Ende gefreut. So aber habe ich das Kino vor allem mit einem Gedanken verlassen: Schade um die schöne Idee.

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Ein Kommentar zu “Schlimmes Ende.

  1. Ich trau mich auch nie in Sneak Previews, weil ich Angst vor möglichen Horror-Filmen habe 😀
    Schade, dass der Film nicht hält, was sein Trailer verspricht – aber dann spar ich mir wenigstens den Kinoeintritt, merci dafür!

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