Film/TV

Kim Novak badete nie im See von Genezareth.

(Weil kein Titel besser ist als dieser.)

Auf einsfestival gibt es sonntagsabends regelmäßig gelungene Alternativen zum Tatort. So wie heute: Ein schwedischer Film namens Kim Novak badete nie im See von Genezareth. Dieser Titel ist mir schon mehrfach begegnet und ist mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Heute hatte ich endlich die Gelegenheit herauszufinden, was sich dahinter verbirgt. Also, dieser Film mit dem verrückten Titel. Was ist das? Irgendwie ein Krimi, sofern man davon ausgeht, dass ein Film mit einer Leiche „irgendwie ein Krimi“ ist. Irgendwie aber auch eine Coming-of-Age-Geschichte, sofern diese dadurch definiert wird, das kleine Jungs in reife Frauen verschossen sind. Diese beiden Elemente werden in dem Film so gekonnt kombiniert, dass es vollkommen unmöglich ist, sie zu entwirren.

Der vierzehnjährige Erik und sein Freund Edmund wollen in Genezareth, einem Ferienhaus am See, einen unbeschwerten Sommer verbringen, fernab von den Erwachsenenproblemen ihrer Eltern. Doch als Henry, Eriks älterer Bruder, die Vertretungslehrerin Ewa mit ins Sommerhaus bringt, die schön ist wie Kim Novak und außerdem mit einem etwas zweifelhaften Handballstar verlobt, wird klar, dass dieser Sommer für alle Beteiligten unvergesslich werden wird – wenn auch etwas anders als sie es sich erhofft hatten.

Wie französische Filme haben skandinavische Filme immer eine ganz eigene Atmosphäre, finde ich. Nicht, dass ich schon so viele skandinavische Filme gesehen hätte – aber irgendwie merkt man es, wenn man einen sieht. Vielleicht ist es das Licht. Vielleicht die Tatsache, dass viel Wald darin vorkommt. Ein hintergründiger Humor, aber auch eine gewisse dunkle Stimmung, die der Geschichte zugrunde zu liegen scheint. Vielleicht gilt das aber auch nur für diesen Film, dessen Vorlage immerhin aus der Feder von Krimi-Bestsellerautor Hakan Nesser stammt. Allerdings gewinnt die Dunkelheit niemals die Oberhand. Das ist den liebevoll gezeichneten Charakteren und der einfühlsam aus der Sicht des erwachsenen und vierzehnjährigen Erik erzählten Geschichte geschuldet. Trotzdem hinterlässt der Film einen bittersüßen, fast wehmütigen Nachgeschmack – genau das, was ich an Coming-of-Age-Sommergeschichten so gerne mag. Darüber hinaus ist Kim Novak badete nie im See von Genezareth großartig gefilmt und die schwedische Landschaft und der 60er-Jahre-Charme tun ihr übriges. Ein toller Film von der Art, wie ich sie selbst gerne einmal drehen würde, wenn ich könnte. Irgendwann vielleicht.

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