Serie/TV

Mehr Dinge, die die BBC richtig macht.

Neuseeland feiert die Premiere des Hobbits, Namen wie Martin Freeman und Richard Armitage stehen plötzlich in deutschen Zeitungen – was mich als Langzeitfan britischer TV-Darsteller extrem irritiert – und ich sitze hier und versuche mich zum dritten Mal an meiner Sherlock-Holmes-Hausarbeit und zum dritten Mal bin ich nach 1600 Wörters stecken geblieben und werde das Werk vermutlich so lange auf Eis legen, bis mich eine neue Erleuchtung erlangt.

Eigentlich würde ich jetzt gerne eine Folge The Hour gucken. Über diese jüngste Ausgeburt britischer Perfektion habe ich an dieser Stelle noch nicht gesprochen – es wird höchste Zeit. Wenn mir nicht schon Skyfall in Erinnerung gerufen hätte, wie unglaublich toll ich Ben Whishaw zu Zeiten von Das Parfum fand, dann hätte es spätestens The Hour geschafft. In dieser mal wieder viel zu kurzen Serie spielt Mr Whishaw Freddie Lyon, einen Mitarbeiter der BBC, der in Zeiten des Kalten Krieges ein bisschen zu neugierig ist und sich schon bald in einem Netz aus Spionage, Intrigen und fingierten Selbstmorden wiederfindet, aus dem er sich allein nicht mehr befreien kann.

Ich bin im Moment bei Folge Nummer drei, in der Mitte der ersten Staffel, und vollkommen gefangengenommen von den sich verdichtenden und immer wieder verstrickenden Erzählsträngen. Das ist gut gemachtes Spionagekino, was da gezeigt wird, nur dass es nicht nach eineinhalb Stunden aufgelöst sein muss. Dementsprechend dubios sind bisher noch die Umstände und Beziehungen der diversen Charaktere, die während der ersten paar Folgen eingeführt wurden. Als Schauspieler vereint sich hier mal wieder die Creme de la Creme der 15 britischen TV-Darsteller – Romola Garai, Dominic West, Andrew Scott, und Fishface— nein, Burn Gorman (besser bekannt als Owen „Fishface“ Harper aus Torchwood) sind nur einige der Namen, die hier sofort ins Auge fallen. Und so ist diese Serie vor allem eins: Ein weiterer Grund der endlosen Frustration für mich, die ich höchstwahrscheinlich nie für die BBC arbeiten werde. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

Und weil ich das in jedem der Artikel auf diesem Blog tue, muss ich auch noch kurz auf die Ausstattung hinweisen. Egal ob Downton Abbey oder Mad Men, eine Serie kann mich inhaltlich noch so kalt lassen, eine atemberaubende Ausstattung wird dafür sorgen, dass ich sie mir trotzdem ansehe. In The Hour trifft eben dieses Level an Ausstattungsgenie auf eine bewegende und spannende Story – und das Ergebnis kann man sich vorstellen. Da muss ich schon mal eine Szene zurückspulen weil ich beim ersten Mal zu begeistert von der Beleuchtung war, um auf die Dialoge zu achten. Ich stehe ja sowieso schon auf den Stil der 50er und 60er, der in diesem Fall ganz tadellos umgesetzt wird, aber dass hier auch noch durch hart gesetzte Beleuchtung und eigenwillige Kameraeinstellungen ganz unterschwellig das Gefühl eines Noir-Films aus den 50ern geweckt wird, lässt mich vollends meinen Hut ziehen. Ich bin restlos begeistert und muss mich jetzt nur noch zusammenreißen, damit ich nicht direkt alles auf einmal gucke. Denn das kürzlich verkündete Ende von Merlin und die nach hinten verschobene Produktion der neuen Staffel von Sherlock haben mich gelehrt: Wenn du dich bei britischem Fernsehen auf eins verlassen kannst, dann darauf, dass es schnell vorbei ist und dann so bald nicht wiederkommt.

Aber für ein solches Maß an Qualität bin ich durchaus bereit zu warten.

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