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Die BBC macht aus The Casual Vacancy eine Serie.

Ich nehme diese Neuigkeiten als eine Art verfrühtes Weihnachtsgeschenk und als Anlass, einige Zeit nach dem Erscheinen von J. K. Rowlings jüngstem Werk doch noch meine Meinung darüber loszuwerden. Als eingefleischtes Mitglied der Harry-Potter-Generation war ja wirklich nicht daran zu denken, dass ich einen Umweg um dieses Buch machen würde. Und wie viele meiner Kollegen war ich zunächst etwas befremdet von der Tatsache, dass Rowling plötzlich Schimpfwörter in den Mund nimmt, Sexszenen beschreibt und ihre Teenager nicht zaubern können. Ich sage bewusst „befremdet“, denn überrascht war ich nicht. Ich hatte bereits vermutet, dass Rowling mit diesem Werk einen Blick in eine Welt eröffnen würde, die so unmagisch ist wie man es sich nur vorstellen kann. Überrascht war ich, als ich bemerkte, dass ihr das gelingt. Nicht, dass ich an ihrem Talent als Geschichtenerzählerin gezweifelt hätte, aber ich hätte nicht erwartet, dass sich das Konzept der unendlich vielen verwobenen Erzählstränge aus Harry Potter auf eine durchschnittliche britische Kleinstadt übertragen lässt. Aber es funktioniert tatsächlich. Und durch die Alltäglichkeit ihrer Schilderungen entfaltet sich schon bald eine ganz neue, andere Art der Magie.

Zugegeben: Die ersten 150 Seiten waren anstrengend. Eine überwältigende Masse an Charakteren, Familien und heimlichen Verbündeten machten es mir schwer, die Handlung zu verfolgen. Praktisch jedes Mal wenn das Buch mal für einen Tag auf dem Nachttisch gelegen hatte, musste ich zurückblättern, um herauszufinden, von wem ich jetzt eigentlich las. Das Ganze erinnert in seiner Komplexität und Vielfalt an Perspektiven eher an George R. R. Martins A Game of Thrones als an Harry Potter. Und wie bei  A Game of Thrones schaffte früher oder später ein Notizzettel Abhilfe, auf dem ich mir die wichtigsten Personen und ihre Beziehungen notierte. Mach ein Leser mag sich über so einen zusätlichen Aufwand beschweren – ich nehme ihn gerne hin, wenn ich dafür so wunderbar erzählte Charaktere wie in The Casual Vacancy bekomme.

Und lasst euch gesagt sein: Wenn man die Charaktere einmal ihren jeweiligen Rudeln zugeordnet hat, dann entspannt der kleinstädtische Kampf um einen freigewordenen Platz im Stadtrat nicht weniger Zugkraft als die epische Schlacht um den Thron eines Fantasykönigreichs in Game of Thrones. Es kann kein Zufall sein, dass auch George R. R. Martins Meisterwerk zu einer Fernsehserie verarbeitet wurde, weil es als Spielfilm jeglichen Rahmen gesprengt hätte. Zugegeben, bei The Casual Vacancy handelt es sich nicht um fünf Bände mit je an die 1000 Seiten – aber es erwartet ja auch niemand fünf Staffeln. Zwar ist die Anzahl der Episoden noch nicht entschieden, aber es sieht ganz so aus, als könnten wir uns 2014 auf eine weiter hervorragende Miniserie der BBC freuen. Tatsächlich glaube ich, dass das Format der Serie für J. K. Rowlings Roman die beste Option ist: Dadurch bleibt genug Zeit, die Charakterzeichnung zu perfektionieren, ohne dass man, wie in einem Spielfilm, den Fokus zu sehr auf die Handlung legen muss. Und, seien wir doch ehrlich: Die Fernsehproduktionen der BBC müssen sich schon lange nicht mehr hinter großen Kinofilmen verstecken. Dass J. K. Rowling bei der Entwicklung und sicher auch bei den Drehbüchern ihre Finger mit im Spiel haben wird, überzeugt mich vollends von dem Projekt.

Im Kopf bin ich schon beim Casting („In welcher Rolle besetze ich Ben Whishaw?“), da fällt mir ein, dass ich ja (noch) nicht für die BBC arbeite. Hm. Das wird jetzt langsam wirklich höchste Zeit.

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