Berlinale

Bestandsaufnahme.

Zucken im linken Augenlid.

Knieschmerzen.

Glasiger Blick.

Verlust jeglicher sozialen Zurückhaltung, was in Wortschwällen über alles und jeden resultiert. Die ganze Zeit.

Eine kleine Schreibhemmung, die auf das Konto kritischer Filmjournalisten geht.

15 Filme.

Aber ansonsten alles noch dran und da wo es hingehört. Eigentlich war es ja klar, dass ich mich mit dem Berlinale-Tagebuch übernehme. Ich melde mich also nur kurz, um zu berichten, dass es mir noch gut geht. Gut ist eigentlich untertrieben. In dem Maße wie das körperliche Wohlbefinden dank Schlafmangel abnimmt, nimmt das geistige zu. Wohl auch ein Nebenprodukt des Extremsports Berlinale. Ich fühle mich wahnsinnig wohl und habe ein ganz seltsames Gefühl für Filme entwickelt, das sich hoffentlich nicht direkt nach dem Marathon wieder verflüchtigt. Ich sollte versuchen, im Training zu bleiben, und weiterhin drei Filme pro Tag zu sehen. Aber das ist wahrscheinlich ein weiteres Projekt, bei dem ich mich übernehme.

Die wahnsinnige Fülle von Filmen, die von außen (und von innen) eigentlich nur als Überforderung wahrgenommen werden kann, hat auch ihre Vorteile. Durch das vollkommen zufällige Programm werden plötzlich Filme miteinander kontextualisiert, die ansonsten keinerlei Berührungspunkt hätten. Nicht nur Themen wiederholen sich auf der Berlinale auffällig. Das wäre ja noch zu erklären. Anscheinend sind Porno und Homosexualität gerade „in“, und Tod und Sterben kommt im Film ja sowieso nie aus der Mode. Aber es sind auch Bilder und ganze Szenen, die sich in vollkommen verschiedenen Zusammenhängen wiederholen und damit eine Verbindung zwischen zwei ansonsten ganz unterschiedlichen Filmen herstellen. Dreimal wurde einer Person bisher der Kopf geschoren. Wir hatten vier Swimmingpools, zweimal Schilf im Wind, massenhaft Strände und in ganzen fünf Filmen gingen Figuren ins Wasser. So verschieden diese Bilder innerhalb des jeweiligen Films auch kontextualisiert sein mögen, so sehr ähneln sie sich doch. Ich hätte nicht übel Lust, das in einem filmvermittelden Film zu thematisieren, aber dafür fehlt mir zur Zeit die Konzentration, die Muße und vor allem das Material.

Drei Berlinaletage habe ich noch vor mir und mir wird ganz anders bei dem Anblick des immer dünner werdenden Programmheft-Rests. Bei aller Anstrenung und allem Gejammere, es gibt keine Grund, die Zeit hier nicht in vollen Zügen zu genießen. Ob es nächstes Jahr wieder klappt, steht noch in den Sternen – bis dahin suche ich mir erstmal einen Job in einem Kino.

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