Fernsehen/Serie/TV

There will be Bromance.

Die BBC schafft ab. An Weihnachten lief die letzte Folge von Merlin und auch The Hour wird nach der zweiten Staffel nicht für eine dritte zurückkehren. Während Merlin in Form des letzten Christmas-Specials Diamond of the Day ein (zumindest in den Augen von 50% der Fans) zufriedenstellendes Ende produzieren konnte, wurde The Hour mangels Zuschauerzahlen einfach mitten im Cliffhanger der Geldhahn zugedreht – in diesem besonderen Fall mit fatalen Folgen für die ein oder andere fiktionale Figur. Aber das Jahr ist noch jung und – wie ein Blick auf die einschlägigen Informationsquellen für Serienjunkies verrät – serientechnisch noch lange nicht vorbei. Was sich da an Ankündigungen findet, liest sich oft interessant und sonst zumindest diskussionswürdig.

Da Vinci’s Demons, beispielsweise, das nächste große Projekt von BBC worldwide, das noch dieses Jahr in den USA auf Sendung gehen wird. Inhaltlich geht es um den bekannten Erfinder, Wissenschaftler und Künstler Leonardo DaVinci, aber da hören die historischen Parallelen auch schon auf. Im Trailer heißt es, alles was wir glauben, über DaVinci zu wissen, werde „auf den Kopf gestellt“ – chapeau. Dieser Leonardo erinnert eher an die Helden von Assassin’s Creed – nur ist das Computerspiel hinlänglich für seine historische Akkuratesse bekannt. In Da Vinci’s Demons hingegen vögelt und prügelt sich eine der wenigen erwiesenermaßen homosexuellen historischen Figuren durch die Weltgeschichte und es wäre doch gelacht, wenn er nicht nebenher mindestens das Handy erfinden würde. Sei’s drum, die Serie wartet mit Darstellern wie Lara Pulver (Sherlock) und Elliot Cowan (Lost in Austen) auf und wird zumindest optisch mit Sicherheit ein Fest. Wenigstens sind sich die Produzenten offensichtlich klar, wo ihre Prioritäten liegen.

In Anbetracht dessen erfüllt mich der Blick auf die nächste große Co-Produktion von BBC und BBC Amercia mit Sorge: The Musketeers befindet sich im frühen Planungsstadium und obwohl die Geschichte die Geschicke der bekannten Helden im Paris des 17. Jahrhunderts verfolgen wird, spricht das Marketing von einem „zeitgenössischen Ansatz“. Die Helden seien „perfekt ausgebildete Soldaten“, es gehe um „Leidenschaft, Liebe, Heldentum und Action“. Das riecht mir verdächtig nach einem neuen Aufguss für das episch gescheiterte Monumentalwerk von Paul W. S. Anderson von 2011, das maximal wegen der pittoresken Drehorte in Würzburg sehenswert ist. Der Cast jedoch lässt aufhorchen: Auf Peter Capaldi (absolut großartig in der zweiten Staffel von The Hour) als Kardinal Richelieu freue ich mich jetzt schon und auch Tom Burke (Third Star, The Hour) und Santiago Cabrera (Merlin) als fünfzig Prozent des heldenhaften Quartetts sind Grund zum Optimismus. Und wer weiß, wenn die BBC ihre Finger mit im Spiel hat, wird diese Literaturadaption vielleicht eher Sherlock als Sherlock Holmes – A Game of Shadows.

Als direkter Nachfolger von Merlin wurde zuletzt Atlantis angekündigt, eine Serie, die nicht nur den Sendeplatz ihres Vorgängers, sondern offensichtlich auch deren Konzept beerben soll. Der jugendliche Held Jason findet sich in der Unterwasserstadt wieder und sieht sich mit allerhand Figuren der griechischen Sagenwelt konfrontiert. Die Mythen und Legenden werden „für eine neue Generation wiederbelebt“ – ersetze Zeus durch King Arthur und wir sind zurück in Camelot. Allerdings sollten die Produzenten im Hinterkopf behalten, dass es nicht das schlechte CGI oder die vorhersehbare Handlung waren, die die Merlin-Fans bis zuletzt bei der Stange gehalten haben, sondern die unterschwellig ziemlich romantische Beziehung zwischen Merlin und seinem Freund/König Arthur. Diese neudeutsch „Bromance“ (eine kreative Wortneuschöpfung aus „brothers“ and „romance“, die weniger mit Inzest als mit der einzig wahren Liebe zwischen Männern zu tun hat) getaufte Figurenkonstellation wird sich hoffentlich in einigen der oben erwähnten neuen Projekte finden. Zwar ist Bromance keine Entschuldigung für den offensichtlichen Mangel an starken Frauenfiguren, aber zumindest besänftigt sie die Gemüter. Ein bisschen.

Und wenn alle Stricke reißen bleibt immer noch das Altbewährte: arte zeigt zur Zeit donnerstagabends die erste Staffel von The Hour in einer hervorragend synchronisierten Fassung, die ersten beiden Folgen finden sich diese Woche noch in der Mediathek. Noch vor Ende dieses Monats werden wir außerdem neue Folgen von Doctor Who und Game of Thrones zu sehen bekommen, die ihre Berechtigung im Fernsehhimmel nicht erst unter Beweis stellen müssen. Und dann ist da ja noch der ominöse 18. März, an dem offiziell der Dreh zur neuen Staffel von Sherlock beginnt, über deren Inhalt schon jetzt heiß spekuliert wird. Was die Zukunft auch bringt: Langweilig wird das Medienjahr 2013 bestimmt nicht.

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