Film

Star Trek: Der mit Benedict Cumberbatch.

Vorab: Ich bin kein Trekkie. Wenn irgendwo Raumschiffe vorkommen bin ich meistens die, die instinktiv „Star Wars“ sagt, und dann von indoktrinierten Fans verbal eins über die Rübe bekommt (außer ich habe Glück und es geht wirklich um Star Wars). Ich bin also praktisch als Fleisch gewordenes Feindbild des geborenen Trekkies in Star Trek: Into Darkness gegangen – und zwar aus purem Interesse an Benedict Cumberbatchs Performance – und musste überrascht feststellen, dass das auch für mindestens fünfzig Prozent des restlichen Publikums in dieser Originalversionsvorstellung galt. Was sich rückblickend ziemlich plausibel durch Mr Cumberbatchs berüchtigtes Stimmorgan erklärt, das in der deutsch synchronisierten Fassung auf der Strecke bleibt. Aber dazu später mehr.

Hier also das Urteil einer Zuschauerin, die keine Ahnung hat, inwiefern J. J. Abrams dem Star-Trek-Kanon gerecht wurde, ob Klingonen wirklich so niedlich sind und welche der vielen Sidekicks im Original auch schon dabei waren: Ich hatte selten so viel Spaß im Kino. Das mag zum Teil an meiner emotionalen Distanz zum Original liegen: Der Hobbit beispielsweise hatte auf mich eine ähnlich mitreißende Wirkung, die ich allerdings nur mit dem Wermutstropfen genießen konnte, dass da eine wundervolle Kinderbuchvorlage in ein Actionspektakel verwandelt wurde. Zum Teil liegt es aber sicher auch an dem wirklich sehr entspannten Publikum, dass sich mit Freuden und gelegentlichen ironischen Zwischenkommentaren auf dieses dramaturgisch nicht ganz lupenreine Machwerk eingelassen hat.

Zur Handlung muss ich deshalb auch nicht viel sagen. Im Kern liegt der klassische Zwei-Seiten-der-selben-Münze-Plot, der in letzter Zeit im Actionkino Hochkonjunktur zu haben scheint, zuletzt zu bewundern in Thor und Skyfall, als nächstes vermutlich im neuen Captain America. Der Held muss sich einer dunklen Version seiner selbst stellen – so gibt Cumberbatch hier praktisch den Moriarty zu Kirks Sherlock Holmes. In diesem Fall stellt sich Captain James T. Kirk das Böse in den eigenen Reihen nämlich in Gestalt des ehemaligen Offiziers John Harrison, einem Terroristen, der die hohen Ränge der Sternenflotte zu bedrohen scheint, aber ganz plottwistfrei wird J. J. Abrams das Publikum an dieser Stelle dann doch nicht entkommen lassen.

Und wie so oft ist es am Ende tatsächlich weniger der Held als das dunkle Spiegelbild, das die Herzen des Publikums im Sturm erobert. Gegen Benedict Cumberbatchs enigmatischen Bösewicht verblassen Chris Pines Kirk und Zachary Quintos Spock. Cumberbatch zeigt eine beeindruckende Bandbreite an Emotionen und beweist, dass er auch physisch das Zeug zum Actionhelden hat. Typbesetzung als schlechter Liebhaber oder elegisches Genie, wie sie ihm in der Vergangenheit gelegentlich vorhergesagt wurde, kann er in Zukunft vergessen. Ein sonores Flüstern John Harrisons vermag den Saal in Schockstarre zu versetzen, eine einzelne Träne entlockt gar ein „Ooooch!“ aus der letzten Reihe. Dagegen fällt der dramatische Kirk/Spock-Moment gegen Ende deutlich ab und wird mit Gekicher und Knutschgeräuschen quittiert, was, kindisch oder nicht, für mich enorm zum Unterhaltungsfaktor des Films beigetragen hat. Ansonsten darf man sich auf alles freuen, was man heutzutage im Actiongenre generell geboten bekommt: Angenehm spannende Verfolgungsjagden und Kampfszenen, unspektakuläre, dafür publikumsfreundlich ausformulierte Charakterentwicklung und erfrischend lustige Sidekicks – an dieser Stelle ein besonderes Lob für Simon Peggs Scotty.

Trotzdem kann es nicht deutlich genug gesagt werden: Alleinstellungsmerkmal und Höhepunkt des Films ist und bleibt Benedict Cumberbatchs Performance und es spricht für diese Performance, dass das kein vernichtendes Urteil für den gesamten Film ist, sondern ihn tatsächlich sehenswert macht. Der Mann macht diesen Film so sehr, dass sein Name eigentlich irgendwo im Titel auftauchen müsste und im Grunde darf man sich noch nicht mal über den dramaturgisch vollkommen unbegründeten Unterwäscheauftritt von Alice Eve als Carol Marcus beschweren, während das weibliche Publikum (und Teile des männlichen) über zwei Stunden hinweg bei jedem neuen Auftritt des vollständig bekleideten Benedict Cumberbatch in seine Sitze schmilzt. Aber diese Diskussion überlasse ich lieber den Genderexperten.

Fazit der nicht mehr ganz zurechnungsfähigen Zuschauerin ohne Star-Trek-Erfahrung: Star Trek? Meh. Benedict Cumberbatch? Immer wieder gern auf möglichst großen Leinwänden mit möglichst großen Lautsprechern und möglichst bald in der neuen Staffel von Sherlock. Beides in Kombination? Für einen gelungenen Kinoabend absolut sehenswert.

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