Film

Groß und bunt und laut und gut.

Wenn es einen Indikator dafür gibt, wie sich mein Filmgeschmack in den letzten zwei Jahren geändert hat, dann ist das meine Reaktion auf Pacific Rim. Mein frischgebackenes Abiturienten-Ich hätte diesem Film nicht die geringste Chance gegeben. Ich erinnere mich, dass mich irgendwann damals eine Freundin zu 300 gezwungen hat, und nach einer halben Stunde Trash seitens des Films und irren Kicherns meinerseits (also wirklich, wer kann denn sowas ernstnehmen?) entnervt aufgegeben hat.

Zum Pacific Rim musste mich niemand zwingen. Der Trailer allein hat mich vollkommen überzeugt. Gigantische Roboter, die gigantische Monster verprügeln? Yes please. Versteht mich nicht falsch. Ich stehe sehr auf den ruhigen, ambitionierten, anspruchsvollen Autorenfilm. Aber ein Riesenroboter… der ein Riesenmonster… mit einem Schiff verprügelt… das ist für mich definitiv ein Höhepunkt des Kinojahrs. Wer eine Transformers-Kopie erwartet, denkt zu klein.

Ich behaupte nicht, dass Pacific Rim über jegliche Kritik erhaben ist (auch wenn ich für etwa ein bis zwei Stunden nach Ende des Films fest davon überzeugt war, was wohl mit meinem Adrenalinspiegel einherging). Was ich aber behaupte ist, dass Pacific Rim dem durchschnittlichen Actionspektakel, das man als Kinobesucher in jedem zweiten Blockbuster vorgesetzt bekommt, einiges voraus hat. Lasst mich erklären.

Was Pacific Rim von Star Trek: Into Darkness, The Avengers, oder The Dark Knight unterscheidet ist zuallererst Originalität. Okay, ja. Wir kennen die Geschichte von Riesenmonster vs. Riesenroboter. Aber das Universum, in dem Pacific Rim spielt, ist nicht Reboot einer Comicserie, sondern wurde allein für diesen Film geschaffen.

Was tun, wenn durch einen Spalt unter dem Pazifik sogenannte „Kaijus“, japanisch für übergroße Monster wie etwa Godzilla, auf die Erde gelangen? Logische Antwort: übergroße Roboter bauen, die den Monstern körperlich gewachsen sind. Und die Idee, die Riesenroboter, oder „Jäger“, von zwei miteinander kompatiblen Piloten steuern zu lassen, die die Aufgaben der linken und rechten Gehirnhälfte übernehmen, ist nicht nur neu (bitte lyncht mich nicht, wenn ich mal wieder einen Meilenstein der Nerdkultur übersehen habe, sondern lasst es mich höflich wissen, und korrigieren), sondern auch ein Aufhänger für allerhand interessante Beziehungen.

Und das ist die zweite Stärke von Pacific Rim: Guillermo del Toro übertreibt visuell zwar maßlos, aber seine Charaktere und deren Emotionen nimmt er vollkommen ernst. Lasst uns über Frauenfiguren reden. Mako Mori (Rinko Kikuchi), die im Laufe der Handlung zur Co-Pilotin der Hauptfigur Raleigh Becket (Charlie Hunnam) aufsteigt, ist eine runde, interessante, vielschichtige Frauenfigur, die über die bloße Funktion des romantischen Gegenparts erhaben ist, eine Eigenschaft, die sie allerhöchstens mit Avenger Natasha Romanov aka Black Widow gemein hat. Klar, es lassen sich romantische Untertöne in die Beziehung zwischen Raleigh und Mako lesen, teilen die beiden doch die tiefe Verbindung, die für die gemeinsame Führung eines Jägers absolut notwendig ist, aber ich behaupte, dass da nicht mehr oder weniger Romanze vorhanden ist als beispielsweise zwischen Charles Xavier und Erik Lehnsherr in X-Men: First Class. Auch die teilen eine besondere Freundschaft, gucken sich gelegentlich tief in die Augen, retten sich gegenseitig und bleiben dem Publikum das finale „Ich liebe dich“ schuldig. Ob man jetzt beides als Romanze interpretiert oder keins von beidem, sei dem Zuschauer überlassen. Ach Subtext. Gerade im Actionkino eine selten gewordene Disziplin, und gerade deshalb (zumindest von mir) dort besonders gern gesehen.

Aber die Beziehung zwischen Raleigh und Mako Mori ist nicht die einzige, die zwischen den brillanten Actionsequenzen noch genug Raum bekommt, um wirklich zu rühren: Auch die Vater-Tochter-Geschichte zwischen Marshall Pentecost (Idris Elba) und der kleinen Mako bildet einen wichtigen Bestandteil der Handlung (ja, Pacific Rim hat eine Handlung. Auch das eine der unerwarteten Stärken des Films). Oder das rivalisierende Jägerpiloten-Duo, bestehend aus Vater und Sohn Hansen, die nur über die gemeinsame Liebe zu ihrer Bulldogge wirklich kommunizieren können. Oder die Wissenschaftscracks Newt und Herman, die zwar hauptsächlich der comic relief dienen, aber trotz nerviger Ticks irgendwie liebenswert sind.

Zur Visualität des Films muss ich ja wohl kaum noch was sagen. Dunkelheit, durchbrochen von neonfarbener Leuchtreklame, Blitzen und Feuer, bildet eine großartige Kulisse für großartige Actionsequenzen. Jeder Cent, der für Special Effects in diesen Film geflossen ist, war es wert. Habe ich die Szene erwähnt, in der ein Jäger einen Kaiju mit einem Schiff verprügelt? Dreckige Science-Fiction, wo Kampfanzüge tatsächlich benutzt und Militärstützpunkte tatsächlich bewohnt aussehen, ergänzt mit liebevollen Details und klugen Ideen, die sich visuell ausspielen – wie etwa die Tatsache, dass es rund um den zentralen Handlungsort des Shatterdomes ununterbrochen regnet – sind auf der großen Leinwand (oder alternativ auf dem großen Flachbildfernseher) bestens aufgehoben.

Pacific Rim ist einer dieser Filme, nach deren Ende man aufstehen und applaudieren möchte, oder alternativ rausgehen und sich mit Monstern prügeln. Ein Film, den man nicht schweigend genießen muss, Lachen ist erlaubt, Schreien, Anfeuern, Weinen auch. Ich war heiser nach diesem Film. Heiser und glücklich.

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