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Der Arsch der Nation.

Ich habe in der Vergangenheit mehr als eine Lanze für Til Schweigers Tatort-Ambitionen gebrochen. Dafür möchte ich an dieser Stelle um Entschuldigung bitten. Denn Til Schweigers neuer Tatort Kopfgeld hält keines der Versprechen, die Willkommen in Hamburg vor genau einem Jahr so großmundig ausgeteilt hat.

Wir tauchen ab in die Drogenszene. Oder Mafia. Türkische Unterwelt. Oder kurdische. Ist ja auch eigentlich egal. Kiezkrieg eben. Das Zauberwort Crystal Meth klingt sogar für den Zuschauer, der noch nie eine Folge Breaking Bad gesehen hat (hallo!), nach der Großen Bösen Welt – Koks und Gras und Heroin, das ist doch alles Kleinkram. Nick Tschiller steht ganz oben auf der Todesliste der inhaftierten Anführer und fühlt sich da so wohl, dass er sogar das Angebot ausschlägt, sich für tot erklären zu lassen – das ist auch nur einer der vielen am Ende vollkommen bedeutungslosen Umwege, die das Skrip immer wieder nimmt. Die Gründe dafür – abgesehen von Effekthascherei, die wir ja niemandem unterstellen wollen – bleiben im Dunkeln.

Die Frauen sind dem Herrn Schweiger (oder Tschiller – wo da der Unterschied ist, ist immer noch nicht eindeutig geklärt) ja auch immer enorm wichtig, weshalb er in dieser Episode sogar mit einer ins Bett darf, der später die tragende Rolle des Vergewaltigungsopfers zuteil wird, während Exfrau und Töchterchen daheim um die Sicherheit des einsamen, grimmigen Helden bangen dürfen. Wenigstens seine brilletragende Assistentin darf dem Herrn Tschiller einmal den (aufdringlich in Szene gesetzten) Arsch retten, nur um dann Rechenschaft über ihre neue Kurzhaarfrisur ablegen zu müssen. Schöne neue post-sexistische Welt.

Überhaupt werden in diesem Tatort die türkisch/kurdischen Widersacher „gefickt“ (getötet) und die Frauen „gestanzt“ (begattet), aber Nick Tschiller geht es bei einer Frau ja sowieso nur um „Arsch und Titten“. Charmant. Dem ist nicht mehr viel hinzuzufügen, außer vielleicht der rollkragenpullovertragende Pomadebösewicht, der die Dreistigkeit besitzt, Nick Tschiller mit eindeutigen sexuellen Gesten in Bedrängnis zu bringen. Tschiller, der eben noch seiner vergewaltigten Liebhaberin ein Foto ihres potenziellen Angreifers unter die Nase gehalten und von der traumatisierten Frau ein Urteil erwartet hat, wendet sich angeekelt ab. Pfui, sexuelle Übergrifflichkeiten. Derweil lässt Til Schweiger keine Gelegenheit ungenutzt, dem Publikum seinen blanken Hintern zu präsentieren.

Dankbar möchte man höchstens für die Kameraarbeit sein, die dieses erzählerische Zugunglück zumindest dann in ästhetische Bilder zu fassen weiß, wenn Til Schweigers Hintern gerade außerhalb des Bildausschnittes liegt. Aber auch damit ist nichts mehr zu retten. Willkommen in Hamburg.

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