Film

Eine traurige Geschichte vom Krieg.

Mein abschließendes Urteil über Die Bücherdiebin: ein entschiedenes „Naja. Ich weeeeiß ja nicht.“

Ich weiß wirklich eine ganze Menge Dinge nicht. Zuerst einmal, ob der Film dem Buch gerecht wird. Denn an dem Buch bin ich dreimal trotz viel guten Willens gescheitert. Ich kenne mindestens zwei Menschen, die mich deshalb weniger mögen, aber lasst euch gesagt sein: es ist nicht so, als hätte ich es nicht versucht. Ich sehe ein, dass man den absolut überwältigenden auktorialen Erzähler als literarische Meisterleistung feiern und sich von ihm an die Hand nehmen lassen kann – ich kann es nicht. Vermutlich ist das vor allem Geschmackssache.

Wie dem auch sei: warum gucke ich mir überhaupt eine Buchverfilmung an, von einem Buch, das mir nicht gefallen hat? Das ist eine der wenigen Fragen, die ich beantworten kann. Nur weil mir das Buch nicht gefallen hat, heißt das noch lange nicht, dass mich die Geschichte nicht neugierig macht. Wenn zwei mit allen Fiktionswassern gewaschenen Literaturfanatikerinnen aus meinem Bekanntenkreis offen zugeben, bei der Lektüre des Buchs Rotz und Wasser geheult zu haben, dann weckt das definitiv mein Interesse. Vielleicht bietet ja der Film eine Gelegenheit, dem mich zu Tode (no pun intended) nervenden Erzähler zu entkommen.

Die Bücherdiebin handelt von Liesel Meminger, die Mitte der Dreißiger Jahre von ihrer Mutter in eine Pflegefamilie gegeben wird, mit der sie den Zweiten Weltkrieg durchleben wird – mit allem drum und dran, Bund Deutscher Mädchen, Jugendliebe, Nächte im Luftschutzbunker, versteckter Jude im Keller. Ich möchte hier nicht respektlos sein. Nicht respektloser jedenfalls als mir die Geschichte der Bücherdiebin zuweilen vorkommt.

Die Zeit, von der Markus Zusak erzählt, kennt er, wie ich, nur aus Geschichten. Ich finde es schwierig, ihm seine Geschichte zu glauben, die zwar nicht vollkommen unwahrscheinlich, aber dennoch vollkommen fiktional ist, und die er zudem im Tonfall eines Märchens vom personifizierten Tod erzählen lässt.

Um auf die Dinge, die ich nicht weiß zurückzukommen: Ich weiß nicht, ob das pietätslos ist. Oder respektlos. Ich glaube nicht, dass ich die bin, die an dieser Stelle ein Urteil sprechen darf und kann. Ich weiß nur, dass diese Zeit eine Unzahl an wahren Geschichten hervorgebracht hat, die nie jemand erzählt hat, und die keine Märchen sind und keine Parabeln über die Menschlichkeit, und in denen die Mädchen keine Puppengesichter und perfekt gelockte Zöpfe haben.

Womöglich tue ich Markus Zusak Unrecht und die Geschichte leidet unter dem Film, der sie in allzu erwartbare Bilder verpackt. Ich sage nicht, dass ich nicht geweint hätte. Das allerdings liegt nicht an der filmischen Auflösung, sondern an der Natur der Sache. Denn erzählt wird eine Geschichte vom Leben im Krieg, und das ist eine traurige, egal wie wenig virtuos die Mittel sind. Vielleicht hätte der Film mich aber stellenweise sogar mehr berührt, wenn er nicht besonders in der zweiten Hälfte in Melodramatik versunken wäre.

Unter den für den Film unerlässlichen Kürzungen leidet vor allem Max Vandenburg, der Jude, den Liesels Zieheltern in ihrem Keller versteckt halten. Ich kann nur hoffen, dass er im Buch ein vielseitiger Charakter ist, das hätte er verdient. Im Film verkommt er zu einer Art Heiligen, der nicht viel mehr als Sinnsprüche von sich gibt („You’ll always be able to find me in your words. That’s where I’ll live on.“). Schade um ihn. Schade auch um Rosa, Liesels Ziehmutter, die arg platt einen ganz warmen Kern unter ihrer harten Schale trägt. Alle Sympathien gehen an Geoffrey Rushs Papa Hans und Nico Lierschs Rudy, die jeweils mit wissendem Zwinkern und herzerweichendem Lächeln die dankbarsten Rollen innehaben.

Bleibt die Frage: Braucht die Welt diesen Film? Haben wir irgendwas gewonnen außer einmal mehr die nach entsättigtem Grau-in-Grau triumphierend bunte Einfahrt der amerikanischen Befreier ins zerstörte Dorf, und ein allzu versöhnliches Ende? Musste das sein? Und an dieser Stelle antworte ich mit einem entschiedenen Nein.

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